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Mittwoch, 28. März 2018

Ende Gut, alles Gut - Jane Austen - Vernunft und Gefühl

Ich zähle Jane Austen zu den wenigen Autoren, denen selbst 200 Jahre Welt- und Kulturgeschichte nichts von ihrer Attraktivität nehmen können. Natürlich haben sich die Zeiten seither gehörig gewandelt, doch einige Rahmenbedingungen und Grundgedanken aus dem Werk dieser heute immer noch interessanten Autorin haben dennoch Bestand: das ewige Hin- und Her der Gefühle verbunden mit gesellschaftlichen Konventionen und Erwartungshaltungen, kombiniert mit Heroinnen, die sich an diesen 'natürlich gegebenen Schranken' reiben, diese ironisch aufs Korn nehmen und trotz allem am Ende mit einem Happy Ending belohnt werden. Und irgendwie ist das Ganze dann auch noch ungemein unterhaltsam.
"Die Familie Dashwood war schon seit langem in Sussex ansässig. " (erster Satz aus "Vernunft und Gefühl")
Zugegeben, der erste Satz ist nicht so gigantisch, verglichen mit dem weltbekannten Anfang ihres Romans "Stolz und Vorurteil" (wir werden noch darauf zurückkommen....), aber das macht das Buch nicht weniger lesenswert. Heute geht es also um Jane Austens "Vernunft und Gefühl" (in alternativer Übersetzung auch "Verstand und Gefühl", original "Sense and Sensibility"), einer ihrer frühen Romane, die sie um 1795 als noch nicht Zwanzigjährige verfasste. Veröffentlicht wurde der Roman erst 1811. Auch wenn ich selten etwas zu den jeweils von mir gelesenen Ausgaben schreibe, möchte ich nicht versäumen darauf hinzuweisen, dass ich die kleinen gebundenen Bändchen des Manesse-Verlages besonders wertschätze. Zum Einen wegen ihrer hohen buchgestalterischen Qualität und natürlich wegen ihrer Handlichkeit, nehmen sie doch im Regal oder in der Tasche aufgrund ihres Formats und des Dünndrucks unterwegs kaum Platz in Anspruch. Ja, ich weiß, als eBook nimmt die Geschichte natürlich noch weniger Raum in Anspruch, aber bei Manesse bleibe ich eben doch ein 'rückständiges Fossil'.





Weitere Rezensionen zu und um Jane Austen im Biblionomicon

Samstag, 6. August 2011

Jane Austen und die Dinosaurier - Tracy Chevalier 'Zwei bemerkenswerte Frauen'

Was passiert, wenn eine Easy-Listening Erfolgsautorin einer der großen britischen Autorinnen des 19. Jahrhunderts nacheifern möchte und dazu noch das Modethema 'Dinosaurier' aufgreift. Nein, es geht nicht um ein Sequel zu 'Stolz und Vorurteil und Zombies', sondern um eine weitere Geschichte der Autorin des 'Mädchens mit dem Perlohrring', die zur Zeit des angehenden 19. Jahrhunderts spielt und deren Protagonistinnen ganz im Stile der Heldinnen Jane Austens daherkommen.

Elizabeth Philpot, eine junge Frau aus besseren Londoner Kreisen, hat keine Aussicht mehr auf eine gute Partie, da sie ihren 25. Geburtstag bereits hinter sich gelassen hat, nicht übermäßig von der Natur mit Schönheit bedacht wurde und auch nicht die Erbin eines großen Vermögens ist -- befinden wir uns doch in England und zwar in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. So schlägt der Bruder den drei Philpot-Schwestern nach dem Tod ihrer Eltern vor, das kostspielige elterliche Domizil in London aufzugeben und in den kleinen Küstenort Lyme Regis in Englands Südwesten zu ziehen.

Schon dieser Anfang lässt uns unweigerlich auch an den Umzug der Familie Dashwood aus Jane Austens 'Verstand und Gefühl' denken, die nach dem Tod des Ehemannes und Vaters vom Bruder an die Luft gesetzt werden und sich in bescheideneren Verhältnissen auf dem Lande zurecht finden müssen. Doch Lyme Regis ist ein ganz besonderer Küstenort, da man hier am Strand zahlreiche und gut erhaltene Fossilien finden kann, ein Hobby, dass wie geschaffen scheint für die kluge und umtriebige Miss Elizabeth Philpot.
"Schon bald nach unserer Ankunft in Morley Cottage erkor ich Fossilien zu meiner neuen Leidenschaft. Irgendeinen Zeitvertreib brauchte ich schließlich: Ich war fünfundzwanzig, würde wahrscheinlich niemals heiraten und suchte nach einer Liebhaberei, die meine Tage ausfüllen konnte. Das Leben einer Dame kann unendlich öde und langweilig sein."(Seite 24)
Dabei lernt sie auch die kleine Mary Anning kennen, das Mädchen, das als Kleinkind vom Blitz getroffen wurde, die sich als wahre Meisterin im Fossiliensammeln erweist und so das kleine Zimmermansgeschäft ihres Vaters mit dem Verkauf der Fossilienfunde an die Touristen unterstützt. Die beiden so unterschiedlichen Frauen -- die unverheiratete Dame der besseren Gesellschaft und die aus einfachen Verhältnissen stammende Schreinerstochter -- kommen sich über ihre Passion näher und widmen ihr ganzes Leben den rätselhaften, zu Stein gewordenen Lebewesen, über deren Natur und Ursprung die damalige Fachwelt lange stritt, da dieser doch das vorherrschend christlich-abendländische Weltbild in seinen Grundfesten zu erschüttern drohte. So werden den beiden 'Forscherinnen' so mancher Stein in den Weg gelegt und sie müssen sich ihren Platz in der wissenschaftlichen Männerdomäne unter großen Verlusten erkämpfen.
"Mary Anning und ich sind am Strand und suchen Fossilien, sie ihre Riesenbestien, ich meine Fische. Unsere Augen wandern über den Sand und die Klippen, während wir in unterschiedlichem Tempo die Küste entlang gehen. Mal läuft die eine vorne, mal die andere....Wir reden wenig miteinander, denn das haben wir nicht nötig, wir können zusammen schweigen. Jede ist in ihrer eigenen Welt und weiß doch, dass sie sich nur umdrehen muss, um die andere zu sehen."(Seite 361)
Der Verlag selbst bewirbt das Buch mit dem Bezug zu Jane Austen, doch außer den geschilderten Umständen und der Epoche kann es der unterhaltsame Roman nicht wirklich mit seinen großen Vorbildern aufnehmen. Zu dünn ist die charakterliche Zeichnung geraten, zu schnell und oberflächlich wird zu Gunsten einer rasch voranschreitenden Handlung auf die inneren Konflikte der beiden bemerkenswerten Frauen verzichtet. Dabei, und das ist das Außergewöhnliche, handelt es sich quasi um eine wahre Geschichte. Mary Anning und Elizabeth Philpot haben wirklich gelebt und Tracy Chevalier erzählt ihre Geschichte. Dabei legt sie eine große Leichtigkeit an den Tag, mit der sie auch in ihrem Vorgängerroman 'Das Mädchen mit dem Perlohrring' über die Dienstmagd Griet und den Maler Vermeer so großen Erfolg gehabt hatet. Ich vergleiche diese Schreibweise gerne mit 'Easy Listening'-Musik. Alles plätschert so dahin und macht beim Lesen keine große Mühe...und für einige Zeit ist es tatsächlich auch ganz unterhaltsam.

Fazit: Die Lektüre ist wie ein erholsamer, kurzweiliger und sehr relaxter Tag am Meer. Dort sollte man das Buch wohl auch am besten lesen!

Tracy Chevalier:
Zwei bemerkenswerte Frauen
Knaus (2009)
368 Seiten









Links:




Sonntag, 5. Juni 2011

Eine Hommage an die Zeitmaschine - Felix J. Palma 'Die Landkarte der Zeit'


Außerplanmäßig, da sich bereits der Stapel schon gelesener aber noch unrezensierter Bücher auf der Kommode türmt, doch mit umso frischerem Eindruck möchte ich heute über das Buch berichten, das ich in der vergangenen Woche auf Kreta quasi als 'Reiselektüre' zuerst recht skeptisch, aber dann doch mit wachsender Spannung gelesen habe. 'Die Landkarte der Zeit' vom spanischen Autor Félix J. Palma, auf dessen Cover das Zifferblatt einer Uhr ohne Zeiger prangt und dessen Umschlag mit markigen Werbezitaten angesehener Zeitungen geschmückt wird in dem Stil "Ein Bestseller, den jeder Literaturprofessor in der U-Bahn lesen kann, ohne sich zu schämen". Zugegeben, diese Zeilen gaben mir zunächst sehr zu denken. Ein Buch, zu dessen Lektüre mich der Hinweis bewegen soll, dass ich mich nicht öffentlich dafür zu schämen hätte. Aber warten wir ab....

Die Schnittmenge zwischen Zeitreisegeschichten und Bestsellern war bis vor kurzem annähernd leer, sieht man einmal von H.G. Wells Klassiker 'Die Zeitmaschine' ab. Doch mit Audrey Niffeneggers 'Die Frau des Zeitreisenden' (siehe Biblionomicon: 'Lost in Time...', vom 11.10.2007) gelang es, die nicht ganz unkomplizierte Thematik auch einem größeren Publikum nahezubringen und schmackhaft zu machen. Und das in einer interessanten und mir bis dato neuen Variante, in der der Protagonist auf ihm selbst nicht begreifliche Weise dazu verdammt ist, kreuz und quer durch seine eigene Lebenszeit zu springen. Was also hat Félix J. Palmas Roman dem Genre noch hinzuzufügen?

Zentrale Figur im folgenreichen Verwirrspiel um das Thema Zeitreisen ist der britische Autor Herbert George Wells, einem der Väter des modernen Science Fiction Romans, auf dessen 1895 erschienenen Romanklassiker 'Die Zeitmaschine' das ganze Thema überhaupt erst seinen Ursprung findet. Es ist recht verzwickt, den Handlungsfaden erzählen zu wollen, ohne dabei die Spannung und Pointen des unterhaltsamen Romans schon vorwegzunehmen. Ich versuche mein Bestes.... Wir schreiben das Jahr 1888. Der aus gutem Hause stammende, junge Andrew verliebt sich zum Entsetzen seines Vaters in eine Prostituierte. Jedoch gelingt es ihm nicht, sich gegen seinen übermächtigen Vater durchzusetzen und eine selbstverantwortete Entscheidung zu treffen, die es den beiden ermöglichen würde, ein gemeinsames Leben zu führen. Zumindest nicht rechtzeitig, denn das Londoner East End wird zu dieser Zeit von Jack the Ripper heimgesucht, der seine Opfer -- allesamt Prostituierte -- auf bestialische Weise abschlachtet. Andrews große Liebe Marie wird Jack the Rippers letztes Opfer. Von Sehnsucht und Schuldgefühlen geplagt beschließt er 8 Jahre später sich am Jahrestag des Verbrechens das Leben zu nehmen. Doch seinem Cousin gelingt es noch in letzter Sekunde rettend einzugreifen, indem er Andrew von einer sagenhaften neuen Möglichkeit berichtet, wie Marie doch noch zu retten wäre....
"Es überraschte Andrew, dass die abgelegten Karten des Lebens nicht hinweggefegt wurden, wie die Sägespäne vom Besen eines Schreiners, sondern jede einzelne eine neue Existenz schuf, die mit der wahren um die Wette eiferte, welche von ihnen die authentische sei." (Seite 258)
Kurz nach dem Erscheinen von H.G. Wells Roman 'Die Zeitmaschine' scheint ganz England beflügelt vom Fortschrittsglauben und der Idee des Zeitreisens. So bleibt es nicht aus, dass bereits im Folgejahre die 'Agentur für Zeitreisen Murray' gegründet wird, die ihren Kunden eine sagenhafte Reise in das Jahr 2000 verspricht, dem Entscheidungsjahr der Menschheitsgeschichte, in der sich das Schicksal des Menschen im Kampf gegen die Maschinenmenschen entscheiden wird. Dies ist erst das erste der vielen Zitate und Rückgriffe in die Geschichte dieses Genres, denn wem jetzt in diesem Zusammenhang 'Der Terminator' einfällt, der liegt gar nicht so weit von einer Spur entfernt. Allerdings haben die Zeitreisen der Agentur einen kleinen Haken: es existiert quasi nur ein einziger Zeittunnel, der das viktorianische London ausschließlich mit dem 20. Mai 2000 verbindet. Reisen zurück in die Zeit oder zu einem anderen Datum hin scheinen unmöglich.
"Also gut", sagte Charles und sah auf seine Taschenuhr, "zuerst einmal gehen wir essen. Es ist nicht ratsam, mit nüchternem Magen zu reisen." (Seite 115)
Wohlhabenden Londoner Bürgern ermöglicht die Agentur für Zeitreisen Murray so eine 'Pauschalreise' zur Entscheidungsschlacht der Menschheit und dabei passiert, was passieren muss: eine intelligente, junge und romantisch veranlagte Dame, die sich so gar nicht mit den Gepflogenheiten ihrer Zeit und den potenziell dort vorhandenen Verehrern arrangieren will (...viele Grüße übrigens an Jane Austen), verliebt sich in den tapferen Hauptmann Derek Shackleton, den Anführer der letzten Menschen in ihrem verzweifelten Kampf gegen die Maschinenmenschen, was nicht ohne Folgen bleiben soll...

Alles entwickelt sich anders als erwartet, und das macht einen Großteil des Charmes dieser Geschichte aus, die sich auf alle Fälle stets mit einem kleinen Augenzwinkern verstanden wissen möchte. Weiter wird sich aus dem großen literarischen Fundus der Zeitreisegeschichten bedient: So besteht zu befürchten, dass der tapfere Hauptmann Shackleton in der Zeit zurückreist, um einen Pianola- und Spielzeugfabrikanten zu töten, den man für den Urvater der Maschinenmenschen hält. Andererseits kommt ein Scottland Yard Inspektor auf die Idee, ein Verbrechen zu verhindern, das noch gar nicht geschehen ist (Minority Report lässt grüßen), verbunden mit all den widersprüchlichen Schlussfolgerungen, dass ein verhindertes Verbrechen ja gar nicht begangen wurde, der Täter somit nicht zur Verantwortung zu ziehen ist und damit auch gar keine Veranlassung besteht, das nicht stattgefundene Verbrechen überhaupt erst zu verhindern.
"Die Geräusche, die wir nachts manchmal hören, dieses Knarren, das wir alten Möbeln zuschreiben, sie sind vielleicht nichts anderes als die Schritte eines unserer zukünftigen Ichs, das unseren Schlaf bewacht und ihn nicht zu unterbrechen wagt." (Seite 254)
Wem es bei derartigen Gedankengängen jetzt ein klein wenig schwindelig geworden ist, der hat erst einen klitzekleinen Eindruck davon gewonnen, wie kompliziert diese Zeitreisethematik eigentlich werden kann. Felix J. Palma versteht es aber ganz gut, den Leser mit auf seine Reise zu nehmen, wobei sich manch zu phantastisch anmutende Idee dann letztenendes doch als recht irdisch herausstellen wird. Natürlich wird auch 'Die Frau des Zeitreisenden' zitiert, genauso wie George Pals 1960 erschienener Filmklassiker 'Die Zeitmaschine'. Überhaupt werden sich am Genre interessierte Leser über eine Menge Aha-Erlebnisse mit Wiedererkennungswert erfreuen können. Übrigens, hatte ich schon erwähnt, dass auch John Merrick, der 'Elefantenmensch', eine Nebenrolle spielt?

Fazit: Eine Hommage an ein Genre und einen Autor, die spannende und unterhaltsame Lektüre verspricht, nicht nur für Liebhaber.

Links:

Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit
aus dem Spanischen übersetzt von Willi Zurbrüggen,
Rowohlt Verlag GmbH, 2010.
716 Seiten, 24,95 €











Dienstag, 29. Juni 2010

Das hat die gute Jane nicht verdient - Jasper Fforde 'The Eyre Affair'

Man stelle sich vor, eine Welt, in der Literatur nicht nur bierernst genommen wird, sondern in der sich die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit vermischen. Das Ganze garniert mit einem Happen Zeitreisefolklore und alternativer Realität. Dann nehme man einen (oder mehrere) englische Klassiker der Literatur des 19. Jahrhunderts, rühre das Ganze kräftig herum und frage sich, was wohl Douglas Adams aus so einer Gemengelage hätte machen können...

Der walisische Autor Jasper Fforde ist ja eigentlich Kameramann (Kamera-Assistent um genau zu sein) und laut Wikipedia gar kein so unbekannter. Dort steht nämlich zu lesen, er habe z.B. in 'Goldeneye' oder 'The Saint' hinter der Kamera gestanden. Aber, er hat auch eine Figur und mit ihr verbunden eine alternative Welt erfunden, die es mittlerweile sogar auf mehrere Fortsetzungsbände gebracht hat: Thursday Next, die Literatur-Agentin. Nein, nicht wie wir das jetzt verstehen würden. Denn in Ffordes Welt, ist Literatur eine ernst zu nehmende Sache und Thursday Next ist Officer der paramilitärischen Special Ops Network Organisation. Eine ihrer vielen Unterabteilungen beschäftigt sich mit 'literarischen Verbrechen', so z.B. mit dem Aufspüren von illegal gedruckten oder gefälschten literarischen Werken. Laut Verlagstext handelt es sich bei Miss Next um eine krude Mischung aus Bridget Jones und Dirty Harry. Den etwas feinsinnigeren unter uns sträubt sich jetzt mit Sicherheit bereits das ein oder andere Nackenhaar...

Doch damit nicht genug. Jasper Fforde beschreibt uns eine Alternativwelt, in der England nicht das uns bekannte vereinigte Königreich darstellt, sondern eine geteilte Republik mit einem unabhängigen Wales ist, die sich seit mehr als einem Jahrhundert mit dem zaristischen Russland im noch nicht entschiedenen Krimkrieg befindet. Um es noch ein wenig weiter auf die Spitze zu treiben, sind Zeitreisen anscheinend nichts wirklich besonderes in dieser Welt, während auf der anderen Seite Überlandreisen mit der guten alten Eisenbahn oder in Luftschiffen unternommen werden, und dann auch noch Werwölfe, Vampire und Geister ein durch und durch reales Dasein fristen...

Doch es passieren dann doch wirklich 'unerhörte Dinge'. Alles fängt damit an, dass das Original Dickens-Manuskript des Romans 'Martin Chuzzlewit' gestohlen wird und dann noch tatsächlich eine anscheinend aus diesem Roman stammende Figur tot auf dem Seziertisch eines Polizeipathologen liegt und folglich auch nicht mehr weiter im Roman auftaucht, sondern verschwunden bleibt. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sind auf einmal durchlässig geworden, dank einer genialen Erfindung von Thursdays Onkel Mycroft (ja, genau...so hieß übrigens auch der hochintelligente Bruder von Sherlock Holmes), einem verschrobenen Erfinder, Mathematiker und Physiker. Hades Acheron (was für ein dämlicher Name), ein unglaublich durchtriebener Schurke, ausgestattet mit übermenschlichen Kräften, erpresst das Land mit der Drohung, ein Nationalheiligtum Englands unwiderruflich zu zerstören: Er bringt Mycroft in seine Gewalt und entführt Jane Eyre mitten aus Charlotte Brontes gleichnamiger Geschichte (um genau zu sein irgendwo auf Seite 120) und da das Buch in Janes Ich-Erzählperspektive geschrieben ist, sind plötzlich alle nachfolgenden Seiten leer....

Klingt alles ziemlich aberwitzig? Ist es auch! Aber irgendwie konnte ich mit dieser Welt nicht wirklich warm werden. Letztendlich wurde es dann selbst mir zu 'seltsam'. Zeitreisen gepaart mit Vampiren, Shakespeare und Bronte ... das ist schon starker Tobak. Dabei ist die Grundidee, sich einen Klassiker herauszugreifen und etwas aus der Geschichte zu 'remixen' gar nicht so schlecht. Der Erfolg solcher literarischer Remixe, wie z.B. der Jane Austen-Verschnitt 'Stolz und Vorurteil und Zombies' scheint dem ganzen ja recht zu geben. Mögen muss man es dabei aber noch lange nicht.

Die Figuren des Romans waren mir allesamt zu plakativ und es fehlen die Erklärungen. Woher stammen die 'Superkräfte' des Ultrabösewichts? Warum ist er so geworden, wie er ist? Er war doch vorher anscheinend ein mehr oder wenig 'harmloser' Literaturdozent. Und überhaupt, warum ist Literatur in dieser Welt so ungeheuer wichtig? Vielleicht bieten ja die übrigen Thursday Next Bände hier weitere Aufschlüsse, aber ich habe erst einmal genug von dieser seltsamen Welt. Die einzigen guten Stellen des Romans waren die, in denen Fforde kräftig aus Charlotte Brontes Werk zitiert und mit der Geschichte spielt. Doch wahrscheinlich haben mir diese Stellen doch nur gefallen, weil ich 'Jane Eyre' so gerne habe (sie auch meine Rezension 'Aschenbrödel bekommt etwas lädierten Prinzen').

Fazit: Da versucht einer an Douglas Adams kruden Sinn für exzentrische Geschichten anzuknüpfen, hat eigentlich eine ganz gute Idee, schießt aber meiner Meinung nach etwas über das Ziel hinaus. Weniger wäre wohl eher mehr gewesen.

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Mittwoch, 23. Dezember 2009

Ende gut, alles gut - Jane Austen "Emma"

Nein, um Jane Austens Romane zu lesen und zu lieben muss man nicht weiblichen Geschlechts oder gar schwul sein. Im Gegenteil eröffnen sie doch auch dem geneigten männlichen Leser ungeahnte Einblicke in die Lebenswelt des frühen 19. Jahrhunderts und lassen uns Teil haben an Lebens-, Liebes- und Beziehungsmüh einer lange untergegangenen Epoche, deren Nachwirkungen aber auch noch in unserer heutigen Zeit ihre Gültigkeit besitzen und vor allen Dingen eines tun: auf humorvoll ironische Weise zu unterhalten.

Als aller erstes war ich bereits vor Jahren begeistert, als ich Jane Austens "Stolz und Vorurteil" in die Hände bekam. Obwohl ich zuerst eine dröge Erzählung um 'verzweifelte Liebesmüh' erwartete, war ich schnell eines Besseren belehrt und Jane Austen errang in meinem Bücherregal einen bevorzugten Platz, den sie auch mit dem erst später gelesenen "Kloster Northanger" behaupten konnte (zugegebenermaßen hat das Frühwerk des "Klosters Northanger" - ebenfalls hier im biblionomicon besprochen - noch lange nicht das Format von "Stolz und Vorurteil", trägt aber bereits die typischen augenzwinkernden Züge Jane Austens). Aber kommen wir zu "Emma".
"Emma Woodhouse, hübsch, klug und reich, im Besitz eines gemütlichen Heims sowie einer glücklichen Veranlagung, vereinigte sichtlich einige der besten Gaben des Lebens auf sich. Sie war schon fast 21 Jahre auf der Welt, ohne je wirklich Schweres oder Beunruhigendes erlebt zu haben."
So startet der Roman mit der Vorstellung seiner Protagonistin, einer energischen jungen Frau, um die sich herum ein selbstverschuldetes Labyrinth aus Irrungen und Wirrungen um Liebe und Ehe entfaltet. Emma ist reichlich verwöhnt und überschätzt vor allem Ihre Menschenkenntnis verbunden mit der (Un-)Fähigkeit, Freunde und Bekannte mit dem ihrer Meinung nach passenden Gegenstück verkuppeln zu wollen. So mischt sie sich wiederholt in das Leben anderer ein, um prompt auch immer wieder Schiffbruch zu erleiden. Fehlinterpretationen und Missverständnisse sorgen immer wieder für vermeidbare Komplikationen sowohl in ihrem Leben als auch dem ihrer Freunde und Bekannten.

Emma lebt zusammen mit ihrem hypochondrischen Vater, der stets um jedes bisschen Zugluft besorgt ist und damit sich und anderen das Leben schwer macht. George Knightley ("Mr. Knightley"), der Freund und Nachbar ihres Vaters, ist der einzige, dessen Kritik sie akzeptiert und dessen väterliche Freundschaft sie ohne Vorbehalte genießt. Sein Bruder John Knightley ist mit Emmas älterer Schwester Isabella verheiratet und lebt mit seiner Familie in London, das mehr als eine Tagesreise entfernt liegt. Der Roman beginnt mit der Hochzeit von Miss Taylor, Emmas Freundin und früherer Gouvernante, von nun an Mrs. Weston. War es doch Emma, die ihrer Freundin den zukünftigen Gatten vorgestellt hatte, so lässt sie diese glückliche Vermittlung an ihre Fähigkeiten als "Ehestifterin" und Kupplerin glauben, die allerdings in Zukunft so ganz und gar nicht von Erfolg gekrönt sein werden.

Zahlreiche weitere Figuren werden von Jane Austen in liebevoller und detailverliebter Weise eingeführt, in deren Leben sich Emma früher oder später einmischen wird. Darunter auch ihre Freundin Harriet Smith, illegitimer Sproß eines reichen Kaufmanns, der sie fälschlicherweise einredet, dass der in sie verliebte Gentleman-Farmer Mr. Martin unter ihrer Würde und vor allen Dingen unter ihrem Stand wäre. Dann lernen wir noch Jane Fairfax kennen, die bei ihrer in ärmlichen Verhältnissen lebenden Tante Miss Bates lebt, und die noch zu Emmas vermeintlicher Rivalin werden soll, als es gilt die Gunst von Frank Churchill zu erwerben, dem Stiefsohn ihrer Freundin Mrs. Weston.

So entspinnt sich zwischen den liebevoll charakterisierten Figuren ein von Irrungen und Wirrungen getragener Reigen um Liebe und Ehe, bei dem sich aber dann doch wie bei Jane Austen üblich am Ende alles "zum Guten" wenden soll. Was das aber konkret heißt, das muss der geneigte Leser bzw. die geneigte Leserin am besten selbst herausfinden. Ich kann versprechen, dass dieser über 500 engbedruckte Seiten lange Roman stets unterhält, zum Schmunzeln anregt und stellenweise auch fesseln kann. Überwiegend bedient sich Jane Austen des Dialogs als treffendes Stilmittel ihrer Darstellung - auch wenn sich beim männlichen Leser dadurch vielleicht so manches Vorurteil über typisch "weibliche Geschwätzigkeit" bestätigt finden mag. Aber es ist ja auch gerade diese präzise funkelnde und geschliffene Sprache, die in den Dialogen zum Vorschein kommt, und die von der Übersetzerin Charlotte Gräfin von Klinkowstroem so wundervoll getroffen wurde. Sie verschaffen den Figuren auf subtile Weise feingliedrige und wohlüberlegte Ecken und Kanten und heben so den Roman auf das Niveau eines zeitlosen Klassikers und Meisterwerks. Auch die zeitgenössischen Illustrationen von Hugh Thompson, die einer Ausgabe von 1896 entnommen sind, unterstützen das Gefühl beim Leser, direkt in eine Epoche entführt zu werden, die ihm in ungewohnt plastischer und lebendiger Weise vor Augen geführt wird - auch wenn es sich "nur" um die (heile) Welt des damaligen englischen (Groß-)bürgertums handelt.

Interessant ist in diesem Roman Jane Austens auch, dass Emma im Gegensatz zu den Hauptfiguren von "Stolz und Vorurteil" oder "Verstand und Gefühl" von Anfang an keinerlei Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft haben muss. Dies ist auch der Grund dafür, warum sie eigentlich niemals heiraten möchte. Jane Fairfax als Nebenfigur dagegen folgt der für Austen üblichen Konstellation, da sie keinerlei Mittel besitzt und ihre Zukunft für sie entweder eine Anstellung als Gouvernante und Lehrerin bzw. eine finanziell aussichtsreiche Heirat vorsehen muss. Ebenfalls ungewöhnlich für Jane Austens Figuren ist es, dass sich bei Emma kaum romantische Gefühle breit machen - zumindest nicht bis Seite 484. Natürlich erkennt Emma, wenn auch spät, dass man sich nicht immer in das Liebesleben von Freunden und Bekannten einmischen sollte, insbesondere, wenn es einem an eigener Erfahrung darin mangelt.
"Sie hatte in ihrer unerträglichen Eitelkeit geglaubt, jedermanns geheimste Gefühle zu kennen, mit unverzeihlichem Hochmut versucht, die Geschicke anderer zu lenken. Es war klar geworden, daß sie sich rundum getäuscht, und nicht etwa nichts getan, sondern auch noch Schaden angerichtet hatte..."
Fazit: Die passende Lektüre für die Feiertage. Einfach abtauchen in Jane Austens Fabelwelt des frühen 19. Jahrhunderts und den Reigen der Gefühle miterleben, die stets auf ein wohliges und angenehmes Ende hoffen lassen. Eine sprachliche Pretiose, sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber auf alle Fälle etwas ganz besonderes.

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Montag, 30. Juni 2008

Jane Austen: Kloster Nordhanger

Gothic Novels, also Schauerromane, waren zur Zeit der Romantik diesseits wie insbesondere jenseits des Ärmelkanals groß in Mode. Jedermann war dieses Genre geläufig, das mit Horace Walpoles Roman "Das Schloß von Ortranto" seinen Ausgang nahm. Das Setting hatte sich seither nicht allzusehr modifiziert: Grusel gepaart mit Liebe und Romantik.... Der Name "Gothic" leitete sich aus der historischen Epoche der Gebäude ab, in denen die Schauergeschichten spielten -- womit gleichzeitig auch ein sogenanntes "Gothic Revival" als Modeerscheinung ausgelöst wurde.

Mehr noch als als Walpole gilt Ann Redcliffe als "Mutter" des urtypischen Romans aus der Epoche der Gothic Novels. Ihr Werk "The Mysteries of Udolpho" dient denn auch oft als Zitat in Jane Austens Frühwerk "Kloster Northanger" (Kloster Nordhanger), der allerdings erst posthum veröffentlicht wurde. Geht es doch bei Redcliffe um das Schicksal des Mädchens Emily St. Aubert, die neben dem Tod ihres Vaters, diversen übernatürlichen Schrecken in einem düsteren Schloss ausgesetzt ist und sich gegen die Machenschaften eines italienischen Briganten zur Wehr setzen muss. Aber Jane Austen schreibt keine Gothic Novel im herkömmlichen Sinne, sondern fügt noch eine gehörige Portion Ironie und Sarkasmus mit dazu....

Hauptfigur bei Jane Austen ist die 17-jährige Catherine Morland (eine typische Gothic Novel Heldin...), die zusammen mit Mr. und Mrs. Allen, Freunden ihrer Familie, den Sommer über in die alte englische Küstenstadt Bath gereist ist. Hier verbringt sie ihre Zeit mit neu gefundenen Freunden wie Isabella Thorpe und mit gemeinsamen Ballbesuchen. Zwei junge Männer sind schnell an der so "frisch-naiven" Catherine interessiert: der draufgängerische John Thorpe (Isabellas Bruder), der gemeinsam mit Catherines Bruder an der Universität studiert, und der ruhige, junge Geistliche Henry Tilney. Catherine schließt mit Henrys Schwester, Eleanor Tilney, Freundschaft und wird von deren Vater, General Tilney in das ehemalige Kloster Northanger, den Wohnsitz der Familie Tilney eingeladen. Da Catherine gerade Ann Radcliffes berühmten Roman gelesen hat, glaubt sie in Northanger einen dramatisch düsteren und gruseligen Ort mit schaurigen Geschichten vorzufinden. General Tilney ist Witwer und der Tod seiner Frau gibt Catherine allerlei Anlass zu schaurigen Spekulationen. Alles läuft natürlich darauf hinaus, dass Henry und Catherine ein Paar werden, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg aus Irrungen und Wirrungen, an denen Frau Redcliffe nicht ganz unschuldig ist.

Das Reclam-Buch verfügt über ausführliche Anmerkungen, ein Nachwort mit Erläuterungen, sowie einen Kartenteil. Kennt man Jane Austens feinen Sinn für Humor, so begegnet man ihm hier noch in recht ungeschliffener, aber dennoch überaus unterhaltsamer Form. Die Heldin gerät in allerhand peinliche Situationen und irgendetwas (oder irgendwer...am Ende gar sie selbst) verbaut ihr immer wieder den Weg zu ihrem angebeteten Henry, der sogar ihre Liebe zu den "unsäglichen" Schauerromanen teilt, indem er folgendes zum Besten gibt:

"The person, be it gentleman or lady, who has not pleasure in a good novel, must be intolerably stupid. I have read all Mrs. Radcliffe's works, and most of them with great pleasure. The Mysteries of Udolpho, when I had once begun it, I could not lay down again; I remember finishing it in two days – my hair standing on end the whole time."


Fazit: Ein wunderbares Frühwerk der großen Jane Austen, in dem Humor und Romanze sich die Waage halten und die klassische "Gothic Novel" durch den Kakao gezogen wird. Ein überaus unterhaltsames Werk nicht nur für "Jane Austen-Afficionados"!

Links:

Freitag, 10. August 2007

Harry Potter trifft Jane Austen und J.R.R. Tolkien - Susanna Clarke 'Jonathan Strange & Mr. Norrell'

Man stelle sich eine Welt vor, in der Zauberei nicht ungewöhnlicher wäre als der Anblick einer Dampflokomotive zur Zeit der industriellen Revolution. England gilt als die Wiege der Zauberei, die Ihren Höhepunkt im späten Mittelalter mit der Ankunft des 'Raven Kings' und seiner beinahe 300-jährigen Regentschafft erlebte. Dann -- so heisst es in den Chroniken -- kehrte dieser England den Rücken, und von da an ging es mit der Zauberei bergab. 


Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die Zeit also, in die uns Susanna Clarke entführt, gibt es noch Zauberer in England ... aber dabei handelt es sich nur mehr um 'theoretische' Zauberer, d.h. man studiert die 'Geschichte der englischen Zauberei' genauso wie etwa Geschichtswissenschaften. Echte 'praktische' Zauberer, die existieren lediglich als windige Jahrmarktsattraktionen, die vornehmlich den Leuten das Geld mit Betrügereien und falschen Prophezeiungen aus der Tasche ziehen. 


In diese Zeit, in der 'wahre' Zauberei lediglich noch in Legenden und Mythen existiert, versucht der Sonderling Gilbert Norrell -- wie er ständig betont -- die Grundlagen einer 'modernen' englischen Zauberei zu etablieren. Norell ist ein seltsamer Kauz. Echte Zauberei lernt er vornehmlich aus Büchern, die er Dank eines ererbten Vermögens im ganzen Land nahezu restlos aufkauft. Nur sich selbst sieht er als berufen an, die schwierige Aufgabe als 'einziger' Zauberer Englands zu bewältigen -- und dass es dabei bleibt, dafür wird er mit Nachdruck sorgen. Aber Norell kann nicht verhindern, dass noch andere Zeitgenossen auftauchen, die eine gewisse 'Begabung' für Zauberei ihr Eigen nennen. Jonathan Strange, gut 20 Jahre jünger und das absolute Gegenteil Norrells entscheidet sich -- aus Ermangelung anderer Alternativen, inspiriert durch eine krude Prophezeiung...und um vor seiner Zukünftigen eine gute Figur zu machen -- ebenfalls dafür, sein Leben der altehrwürdigen Kunst der Zauberei zu widmen, und so kommt das ungleiche Paar -- Jonathan Strange und Mr. Norrell -- schließlich als Lehrer und Schüler zusammen.

Wirklich, man hat das Gefühl, einen der großen Romane Jane Austens zu lesen. So sehr gelingt es Susanna Clark, die Atmosphäre der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, die Zeit der napoleonischen Kriege und die Gesellschaft der englischen Aristokratie wiederaufleben zu lassen. Zugleich entführt sie uns in eine magische Parallelwelt, in der der 'Raven King' seine drei Königreiche -- in der diesseitigen Welt, dem Feenreich und am 'anderen Ende der Hölle' -- regiert. Aber die Moderne wirft bereits ihre Schatten voraus. Lange schon sind die Brücken in die anderen Welten abgebrochen, bis schließlich Mr. Norrell und Jonathan Strange die Türen eher notgedrungen und widerwillig wieder aufstoßen. Zauberei -- wenn sie denn tatsächlich zur Ausführung gelangt -- hat hier stets einen bitteren Beigeschmack. Ähnlich wie die Moderne und die Industrialisierung ihre Schattenseiten offenbaren, ebenso sind die Kollateralschäden und Abfallprodukte der Zauberei in der Welt und zollen ihren Tribut.

Als besonders gelungen empfinde ich die charakterliche Differenziertheit und Vielfältigkeit der von Susanna Clark beschriebenen Figuren. Alles ist vielschichtig, alles kann von zwei Seiten gesehen werden, nichts ist einseitig nur gut oder nur böse. Den Leser erwartet eine wunderbare Welt, die fest im Gefüge des 19. Jahrhunderts verankert steht. Historische Persönlichkeiten (Wellington und Napoleon) und Begebenheiten (napoleonischen Kriege, Kontinentalsperre, Waterloo) tragen wesentlich zum Verlauf der Handlung bei und werden originell und sorgfältig in das Geschehen eingebettet.
Am Ende, auch wenn die 'große Schlacht' erfolgreich geschlagen scheint, bleibt doch stets ein etwas bitterer Nachgeschmack auf der Zunge und Susanna Clarke entlässt ihre Helden in eine ungewisse Zukunft.

Ich kann das Buch (in der englischen Originalversion) nur wärmstens empfehlen! Leider kenne ich die deutsche Übersetzung nicht -- aber ich gehe einmal davon aus (bzw. hoffe sehr), dass der (oder die) Übersetzer(in) das Sprachgefühl Susanna Clarks übernommen und entsprechend ins Deutsche übertragen haben (Kommentare sind an dieser Stelle ausdrücklich erwünscht!).

Fazit: Wer die Romane der Brontës oder Jane Austens liebt und sich auf diese vielschichtig gezeichnete Parallelwelt der Zauberei einlässt, für den wird der Roman zu einem wahren 'Lesefest'!

Links:
  1. Jonathan Strange's Website (deutsche Version)
  2. The Daily Raven, newspaper from March 9th, 1809, (THE OFFICIAL PAPER OF RECORD TO JONATHAN STRANGE AND MR NORRELL)
  3. Susanna Clarke at Bloomsbury Website
  4. The friends of English Magic (Forum)