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Sonntag, 26. Februar 2012

Die Lust an der Grenzüberschreitung - Jorge Luis Borges '25. August 1983'

"Bist Du, Leser, denn sicher, dass Du meine Sprache verstehst?"
Mit diesen Worten schickt Borges den an dieser Stelle ratlosen Leser seiner wohl bekanntesten 1941 erschienenen Erzählung "Die Bibliothek von Babel" wieder zurück in dessen banale Realität. Doch wer offenen Auges und Geistes durch die Welt geht, der wird immer wieder auf sie treffen, auf die Spiegelungen und Widerspiegelungen der unendlichen Anspielungen, die uns Borges in seinen phantastischen Geschichten hinterlassen hat. Jorge Luis Borges, geboren im Jahre 1899 in Buenos Aires, gilt nicht nur für mich als der unbestrittene Meister der phantastischen Literatur, der als Autor, Herausgeber, Philosoph und nicht weniger als herausragender und schließlich "blinder" Bibliothekar in die (Literatur)Geschichte eingegangen ist, der neben vielem anderen auch Oscar Wilde, Virginia Woolf oder Franz Kafka ins Spanische übersetzte. 
"Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt" (J.L.Borges)
Vom Herausgeber der 30-bändigen Sammlung phantastischer Erzählungen, die gleich seiner eingangs erwähnten Geschichte den Titel "Die Bibliothek von Babel" trägt, war hier im Biblionomicon schon des öfteren von ihm die Rede (siehe unten).  Natürlich dürfen seine eigenen Erzählungen in dieser umfangreichen Sammlung nicht fehlen und so finden sich im vorliegenden Band Nr. 5 der Reihe auch fünf Geschichten des Meisters, eingeleitet mit einem Vorwort von Martin Gregor-Dellin und gefolgt von einem ausführlichen Interview, das den Leser mit Borges' Geisteswelt vertraut macht.
"Für mich ist die Welt eine unaufhörliche Quelle von Überraschungen, Ratlosigkeiten, von Unglück auch, und manchmal, warum soll ich lügen, von Glück. Aber ich habe keine Theorie über die Welt." (Jorge Luis Borges im Interview)
Gleich zu Beginn des dünnen Bandes führt uns Borges in die Welt der 'Bibliothek von Babel', einem Bücheruniversum, das gleich einem Bienenstock aus einer Unzahl sechseckiger, wabenförmiger Räume  besteht, deren Wände als Bücherregale bzw. als Durchgänge zu weiteren gleichartigen Räumen dienen. Das Besondere an dieser Welt sind natürlich die Bücher, die in den tausenden Regalen stehen. Deren Inhalt besteht aus allen möglichen nur denkbaren Kombinationen der Buchstaben des Alphabets, so dass sich nur in wenigen Fällen tatsächlich sinnvolle Buchstabenkombinationen, Wörter oder gar ganze Sätze darin finden lassen -- und das in den unterschiedlichsten Sprachen. So sind die Bewohner dieser Bücherwelt auch beständig auf der Suche nach "sinnvollen" Inhalten, denn die Bücherwelt ist schließlich universal, d.h. alle nur denkbaren Bücher sind in ihr enthalten. So auch das Eine, das Buch der Bücher, das Inbegriff und Auszug aller ist, das den Sinn dieser Welt erklärt. Ich liebe diese kleine Geschichte, die ich bereits vor vielen Jahren kennengelernt hatte. Später dann, während meines Informatikstudiums oder noch später, als ich begann, meine eigenen Vorlesungen vorzubereiten, diente sie mir immer wieder als Beispiel und Motivation für meine Studenten, um ihnen den Informationsbegriff und die Grundlagen der Berechenbarkeit vor Augen zu führen. Wie bereits in einem älteren Blogbeitrag erwähnt, diente die Geschichte auch Umberto Eco als Vorbild für den Aufbau der Klosterbibliothek in seinem Roman 'Der Name der Rose'.

Der '25. August 1983', so ist die zweite Geschichte der Sammlung betitelt, in der sich der jüngere Borges selbst beschreibt, wie er seinem älteren Ich (oder umgekehrt) an eben diesem Datum in einem Hotel begegnet. Ein Traum in einem Traum, Spiegelung und Widerspiegelung bilden auch hier das immer wiederkehrende Leitmotiv. Der Leser fühlt sich stets von neuem in eine phantastisch fesselnde Traumwelt hineinversetzt, so auch in der 'Rose des Paracelsus', in der die 'Leichtgläubigkeit' gegenüber dem 'wahren Glauben' bestehen muss, gegen den sie nicht gewinnen kann, dem 'Blauen Tiger', in der ein Mann ein Tabu bricht und darüber beinahe seinen Verstand zu verlieren droht,  oder der 'Utopie des müden Mannes', in der der Erzähler in eine seltsame Welt verschlagen wird, deren Bewohner die Zeit und so manches andere nicht mehr wichtig nehmen. Es gibt nichts, das nicht in Borges' literarischen Träumen stets einer erneuten Reflexion, einer erneuten Anspielung unterzogen wird. Oft reicht es nicht aus, diese Geschichten nur ein einziges Mal zu lesen. Immer wieder kann man Neues in ihnen entdecken und in sie hinein interpretieren.
"Der Buchdruck, der heute abgeschafft ist, war eines der schlimmsten Übel der Menschheit, denn er lief ja darauf hinaus, überflüssige Texte zu vervielfältigen, bis einem schwindlig wurde." (Utopie des müden Mannes)
Ein fast 50-seitiges Interview, gefolgt von einer ausführlichen Zeittafel beschließt das Buch und lässt Borges dabei persönlich zu Wort kommen, wie er dem Leser seine Welt, sein Werk und sein wissenschaftliches Arbeiten nahebringt.
"...es gibt keinen einzigen Grund, warum das Universum von einem gebildeten Menschen des 20. Jahrhunderts oder irgendeines Jahrhunderts begriffen werden sollte. Das ist alles." (Ende des Interviews mit Jorge Luis Borges)
Fazit: Die faszinierende Geisteswelt eines der wohl berühmtesten südamerikanischen Autoren, nicht nur für Liebhaber der phantastischen Literatur, sondern für alle Leser, die die Literatur gelegentlich als Anstoß nehmen, um über ihre eigene Welt nachzudenken. LESEN!


Jorge Luis Borges:
aus Jorge Luis Borges (Hrsg.) 'Die Bibliothek von Babel',
Band Nr. 5,
Edition Büchergilde (2007)
156 Seiten
17,90 Euro



In der Fischer Taschenbibliothek ist jetzt auch eine schöne Sammlung von Jorge Luis Borges bekanntesten Erzählungen als kleines Hardcover-Bändchen erschienen:

Jorge Luis Borges:
Fischer Tb. (2010)
528 Seiten
10,- Euro


Weitere Rezensionen im Biblionomicon zur 'Bibliothek von Babel' und zu Jorge Luis Borges:
       

Sonntag, 26. Juni 2011

Abgerechnet wird zum Schluss - Isabel Allende 'Das Geisterhaus'

Die gelesenen Bücher stapeln sich bereits und ich komme mit den Rezensionen nicht nach. Da heute ein klein wenig Zeit bleibt, habe ich mich entschlossen, einen kurzen Beitrag über eines der etwas langwierigeren Leseunterfangen der vergangenen Monate zu verfassen. Es geht heute um ein wirklich vielschichtes und erzählgewaltiges Werk, über das man am Ende aber ruhig geteilter Meinung sein darf: Isabel Allendes berühmter Roman 'Das Geisterhaus'.

Natürlich hatte ich den Film bereits schon vor Jahren gesehen. Aber außer dass darin Meryl Streep und Jeremy Irons die Hauptrollen spielten und es sich irgendwie um eine Familiengeschichte handelte, hatte ich die eigentliche Handlung bereits vollkommen vergessen. Gut, dachte ich mir, du hast ja schon einmal etwas von Isabel Allende gelesen ('Goldrausch, Emanzipation und kulturelles Durcheinander - Isabel Allende 'Fortunas Tochter', Biblionomicon 2. Januar 2008), warum also nicht auch ihr vielleicht bekanntestes Werk, ihr 1982 erschienener Debütroman 'Das Geisterhaus'. Aber alleine schon die Handlung auf ein vernünftiges Mindestmaß zusammenzufassen und dabei gleichzeitig dem Werk gerecht zu werden, stellt gewichtige Ansprüche, angesichts der Fülle des Stoffes.

Erzählt wird dabei die Geschichte der chilenischen Familie Trueba vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis hinein in die 1970er Jahre. Esteban Trueba, verliebt sich in die außergewöhnlich schöne, aus guter Familie stammende Rosa del Valle. Um das für die Hochzeit nötige Vermögen zu gewinnen, versucht er sein Glück in den Goldminen im Norden Chiles. Doch während seiner Abwesenheit stirbt Rosa an Gift, das eigentlich für ihren Vater aus politischen Gründen vorgesehen war. Clara, Rosas jüngere Schwester, ist ebenso wie ihre Mutter mit einem Hang zum Übersinnlichen gesegnet und hatte den Unglücksfall vorhergesehen. Aus Trauer und um seiner herrschsüchtigen Mutter zu entgehen flieht Esteban Trueba aufs Land, wo er das verkommene Gut "Die drei Marien" wieder zu bewirtschaften beginnt. Tatsächlich gelingt der Plan, auch wenn sich Esteban nicht gerade einen guten Ruf bei der Landbevölkerung erworben hat, da er zu starkem Jähzorn neigt und gerne die Töchter der benachbarten Bauern schwängert.

Clara, die neun Jahre lang nach dem Tod ihrer Schwester geschwiegen hatte, sagt plötzlich ihre eigene Hochzeit voraus und tatsächlich kommt Esteban Trueba und hält um ihre Hand an -- wie er es seiner Mutter am Sterbebett versprochen hatte. Es wird groß geheiratet und während Esteban zurück aufs Land geht, bleibt Clara zurück in der Stadt. Nur in den Sommermonaten hält sie sich auf den drei Marien auf und bekommt im Laufe der Jahre drei Kinder: ihre Tochter Blanca und die beiden Zwillinge Jaime und Nicholas.

Die Tochter Blanca lernt schon früh Pedro, den Sohn des Verwalters der drei Marien kennen und lieben, aber ihr Vater billigt diese Beziehung aufgrund des Standesunterschieds nicht. Nichtsdestotrotz schwängert Pedro Blanca und der vor Wut rasende Esteban schlägt bei einem Streit seiner Frau die Zähne aus, worauf sich die beiden voneinander trennen. Pedro, der sich den Kommunisten angeschlossen hat, verliert im Kampf mit Esteban einige Finger und Blanca wird gegen ihren Willen mit einem zwielichtigen französischen Grafen verheiratet....

Und das ist erst der Anfang, denn die Geschichte zieht sich noch über zahllose Seiten mit Nebenhandlungen, Anekdoten, Geschichten und Untergeschichten. Wenn man einige südamerikanische Autoren kennt, weiß man, dass diese gerne Geschichten erzählen und dabei nicht gerade die "schnellsten" sind, denn sie kommen gerne vom hundertsten ins tausendste und verlieren sich in Nebensächlichkeiten. So auch Isabel Allende. Etwas mehr Tempo und vielleicht etwas weniger Geschichten in der Geschichte wären schon eher nach meinem Geschmack gewesen und hätten dem erzählgewaltigen Werk nicht geschadet. So fragt man sich immer wieder, warum es denn nicht voran geht und warum jetzt schon wieder eine solch seltsame Randgeschichte erzählt wird.

Zwar ist das Buch in meinen Augen fulminant gestartet, wurde dann aber ab der Hälfte etwas zäh und ich hatte wirklich irgendwann keine rechte Lust mehr daran. Kurz gesagt, ich war froh, als ich es dann endlich hinter mir hatte und hätte mir gerne den Schwung der anfänglichen Geschichte zurückgewünscht, die mich in ihren Bann geschlagen hatte. Dennoch handelt es sich um eines der Bücher, die man auf alle Fälle gelesen haben sollte, und die einem die südamerikanische Erzähl- und Erlebenswelt ein wenig näher bringen können. Man bemerkt allerdings auch, dass Isabel Allende anfangs mit ihrer Geschichte, die wie viele andere ihrer Geschichten von autobiografischem Material zehrt, noch nicht ganz so professionell und 'Bestsellerlike' umzugehen versteht, wie in späteren Werken. Dies ist einerseits ein großes Lob, geht andererseits aber auch auf Kosten der Lesbarkeit und des Lesespaßes.

Fazit: Großes südamerikanisches Epos mit unzähligen Geschichten in der Geschichte, das einerseits Klassikerstatus verdient hat, aber wahrscheinlich nicht jedermanns Geschmack trifft. Lesen ja, aber nicht unbedingt....

Links:


Isabel Allende
Das Geisterhaus
Suhrkamp Verlag (1989)
501 Seiten
10,00 €










Sonntag, 23. Mai 2010

Filigran, bizarr und faszinierend - Jorge Luis Borges 'Erzählungen II'

Sollte man nun ein Buch, nachdem man es gelesen hat, eine Weile ruhen und 'sich setzen' lassen, damit man das Gelesene besser 'verdaut', um es anschließend bar des aktuellen Kontextes wertefrei und objektiv beurteilen zu können? Oder sollte man, kaum dass man es aus der Hand gelegt hat, seine Eindrücke und Gefühle niederschreiben, solange diese noch frisch und präsent sind? Meiner Meinung nach wird man mit zunehmenden Abstand objektiver, aber auch 'gelassener', d.h. überschwängliche Freude oder Kritik verblassen im Lauf der Zeit. Aber auch die Erinnerung an manche bemerkenswerten Details geht verloren. Solange wir nicht über ein fotografisches Gedächtnis verfügen, werden aktuelle Eindrücke immer wieder von neueren überschrieben, und wir müssen kräftig schaben, ehe das ewige Palimpsest unserer 'Höhlen der Erinnerung' (wie sie Borges in Anlehnung an Augustinus bezeichnet) die alten Aufzeichnungen wieder freigibt.

Jorge Luis Borges war eine faszinierende Persönlichkeit, die mich bereits als Jugendlicher in Erstaunen versetzte. Kennengelernt hatte ich den argentinischen Schriftsteller zuerst als Herausgeber der 'Bibliothek von Babel', einer 30-Bändigen Sammlung phantastischer Erzählungen, erschienen Anfang der 1980er Jahre bei Edition Weitbrecht, von denen er jeden Band gekonnt und liebevoll einzuleiten verstand. Bereits mit Mitte 30 begann sein Augenlicht zu verlöschen und mit 50 Jahren war er vollends erblindet. Als (blinder) Direktor der argentinischen Nationalbibliothek gab er auch das Vorbild zu Umberto Ecos grauer Eminenz 'Jorge von Burgos' aus dem 'Namen der Rose' - der Figur, die hinter den Kulissen der Klosterbibliothek die Fäden in diesem großartigen Roman zieht. Später im Studium lernte ich (wie übrigens viele andere Informatiker) dann auch Borges berühmte Erzählung 'Die Bibliothek von Babel' kennen, in der er das Universum als unendlich große Bibliothek beschreibt, in der alles, was jemals (mit Hilfe der Buchstaben des lateinischen Alphabets und ein paar Satzzeichen in unendlicher Kombination) geschrieben werden könnte, wohlorganisiert seine Aufstellung findet. Borges zeigt in seinen oft phantastischen Werken eine wahre Begeisterung für die Abgründe des 'Unendlichen', aber dazu später mehr.
"Schlafen ist bekanntlich die geheimste unserer Handlungen. Wir widmen ihm ein Drittel unseres Lebens und verstehen es nicht. Für einige ist es nichts als die Verdunkelung des Wachens; für andere ein komplexer Zustand, der zugleich das Gestern umfasst, das Jetzt und das Morgen; für dritte eine ununterbrochene Reihe von Träumen." (Seite 48)
Der Band mit Erzählungen, den ich heute kurz vorstellen möchte, fasst Texte aus dem Spätwerk des großen Schriftstellers zusammen, die vormals in Einzelzusammenstellungen unter den Namen 'David Brodies Bericht' (1970), 'Das Sandbuch' (1975) und 'Shakespeares Gedächtnis' (1980/83) erschienen sind. Jede einzelne dieser zum Teil durchaus bemerkenswerten Geschichten vorzustellen wäre ein mühseliges Unterfangen. Daher möchte ich nur einige zusammenfassende Bemerkungen unternehmen und ein paar Streiflichter setzen. Zuerst tat ich mich etwas schwer mit den Erzählungen in 'David Brodies Bericht', umfassten sie doch hauptsächlich anscheinend biografisch gefärbte Novellen und Begebenheiten aus dem Südamerika des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Wir lernen die Welt der Gauchos und Machos kennen, in denen Männlichkeit, Ehre und Messerstechereien zum 'guten Ton' zählen. Eigentlich nicht wirklich meine Kragenweite. Doch dann kam 'Das Evangelium nach Markus'. Wieder eine Geschichte, die recht harmlos begann. Ein Gast auf einer Estancia nimmt in der Abwesenheit des Patrons dessen Stelle ein, als ein Unwetter das Gut von der Außenwelt abschneidet. Dann begeht er den Fehler, den weltfremden und ungebildeten Peones (=abhängige Bauern und Arbeiter) aus der Bibel vorzulesen, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf....
"Der Buchdruck, der heute abgschafft ist, war eins der schlimmsten Übel der Menschheit, denn er lief darauf hinaus, überflüssige Texte zu vervielfältigen, bis einem schwindlig wurde." (Seite 157)
Im 'Sandbuch' befinden sich dagegen schon mehr Erzählungen, die der Phantastik zugerechnet werden können mit zum Teil philosophischen und tiefgreifenden Gedankenspielen über Doppelgänger, Paradoxien des Zeitreisens und der Grausamkeit des Unendlichkeitsbegriffs. Das 'Sandbuch' ist dabei auch Titel einer bemerkenswerten Erzählung über ein Buch mit unendlich vielen Seiten. Aber wenn man es erst einmal in seinen Besitz gebracht hat, kann es einen um den Verstand bringen. Also wie wird man es am Besten wieder los?
"Mir fiel ein, gelesen zu haben, dass das beste Versteck für ein Blatt der Wald ist." (Seite 182)
In 'Shakespeares Gedächtnis' finden wir erneut phantastische Erzählungen, von denen mir der 'Blaue Tiger' besonders gefallen hat. Die Erzählung handelt von einem Mathematikprofessor, der immer wieder von blauen Tigern träumt. Als er sich im Dschungel nach ihnen auf die Suche macht, findet er stattdessen seltsame blaue Steine, die sich auf unheimliche Weise vermehren und wieder dezimieren. Sie entziehen sich jeder Arithmetik, Mathematik und Logik. Der Besitz dieser Steine treibt den Professor beinahe in den Wahnsinn, bis er sie an einen Bettler weitergeben kann.

Der vorliegende Band ist Teil einer 12-bändigen Borges Gesamtausgabe des Hanser Verlages. Ausgestattet mit editorischen Notizen und Anmerkungen im Anhang, gebunden in hochwertiges Leinen und gedruckt auf feinem Papier bilden diese kleinen handwerklichen Kunstwerke heute eine wohltuende Ausnahme im etablierten Pappeinband-Dschungel der Verlagshäuser. Nein, ich glaube ich möchte Borges auch gar nicht erst auf einem eBook-Reader lesen müssen. Diese schön aufgemachten Bücher sind einfach dazu bestimmt, immer wieder in die Hand genommen und gelesen zu werden. Sicher war dieses Buch nicht das letzte, das ich aus dieser Ausgabe lesen werde. Leider sind heute nicht mehr alle Bände der 1999 begonnenen Gesamtausgabe im Druck...

Fazit: Ganz und gar ungewöhnliche Geschichten von einem der wohl ungewöhnlichsten Autoren des letzten Jahrhunderts. Zum Kennenlernen des berühmten 'blinden Bibliothekars' bestens geeignet, aber Vorsicht: wieder einmal nicht Lektüre für jedermann. Lesen!