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Sonntag, 23. Januar 2011

Indiana Jones und die deutsche Romantik - Robert Löhr 'Das Hamlet-Komplott'

Die Überschrift nimmt es ja schon vorweg: da kommt einiges zusammen. Ein Dichter-Denker-Mantel-Degen Roman, wie es der Verlag auf dem Klappentext recht treffend betitelt hat. Und damit hat er nicht zuviel versprochen....

Über Robert Löhrs Vorliebe, das Personal seiner Romane aus Deutschlands Dichter- und Denkerzirkeln zu rekrutieren und diese in phantastische Räuberpistolen und Abenteuergeschichten hineinzuversetzen, hatte ich ja bereits schon mit dem 'Erlkönigmaneuver' hier im Biblionomicon besprochen. Dennoch hat mich meine damalige Kritik nicht daran hindern können, auch Robert Löhrs neusten Band 'Das Hamlet-Komplott' zu lesen, der das abenteuerliche Szenario fortzusetzen verspricht.

Der kurzweilige Roman startet mit einem aus meinem Blickwinkel sehr gelungenen Kapitel über den Einfall napoleonischer Truppen nach der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt in Weimar.
"Den Morgen des 14. Oktobers 1806 verbrachte Goethe im Garten über seiner Farbenlehre, derweil Napoleon vier Wegstunden ostwärts die preußische Armee zermalmte..."(Seite 7)
Obwohl sich nicht gerade übermäßige Panik im Hause Goethes breitmacht, bereitet man sich auf die zu erwartenden Plünderungen und die Besetzung des Hauses am Weimarer Frauenplan vor. Als in der Nacht einer der einquartierten französischen Soldaten Goethes Münzkabinett plündert, wird er vom Geheimrat auf frischer Tat ertappt. Kurzentschlossen und kaltblütig rettet Christiane, die langjährige Lebensgefährtin Goethes und Mutter seiner Kinder, das Leben des Geheimrats, indem sie den Soldaten mit einem Stein aus Goethes Mineraliensammlung erschlägt. Glückliche Konsequenz dieser Bluttat: fünf Tage später heiraten Goethe und die Vulpius im kleinsten Kreise in der Weimarer Jakobskirche...

Aber diese kleine Episode bildet nur den Auftakt für eine verwegene Abenteuergeschichte, bei der Johann Wolfgang von Goethe zusammen mit Heinrich Kleist, Madame de Staël, Ludwig Tieck und August Wilhelm Schlegel die Kaiserkrone des heiligen römischen Reiches vor dem Zugriff französischer Agenten bewahren und diese als fahrende Schauspieler verkleidet quer durch das napoleonische Süddeutschland nach Preußen schaffen wollen. Und dabei kommt es der illustren Reisegruppe zu Gute, dass ausgerechnet August Wilhelm Schlegel mit von der Partie ist. Der berühmte Übersetzer der Dramen Shakespeares in die deutsche Sprache verdingte sich damals als Hauslehrer (Hausfreund?) bei Madame de Stael, Tochter des Finanzministers Necker und erklärte Feindin Napoleons. Eigentlich sollte der Wagen der fahrenden Schaubühne ja nur als Verkleidung dienen. Als sich die Truppe aber gezwungen sieht, ihre Deckidentität unter Beweis zustellen, greifen sie auf Schlegels profunde Kenntnisse zurück, um Shakespeares berühmtestes Stück 'Hamlet' mit großer Improvisationskunst auf die Bühne zu bringen.
"Helfen Sie mir auf die Sprünge: Wo genau in Hamlet donnert es?"
"Meteorologisch nirgendwo", antwortete Kleist und kurbelte an der Windmaschine. "Aber metaphorisch."
Ist das nun künstlerische Freiheit oder eher blasphemischer Unfug? Berechtigte Frage. War ich beim vorangegangenen Roman noch von der Umsetzung der an sich interessanten Idee weniger begeistert, gefällt mir der vorliegende Band um so mehr. Löhr nimmt sich mehr Zeit dafür, die Tiefen seiner allgemein bekannten Figuren auszuloten. Auch, wenn er es dabei nicht immer allzu genau mit den historischen Tatsachen nimmt. Goethes Verhältnis zu Madame de Stael war doch eher von unterkühlter Natur, wie man seinen Briefen an Schiller entnehmen kann, als diese sich zu Besuch in Weimar befand.
"Madame überraschte Weimar mit solch raffinierter Natürlichkeit, aber vorallem mit ihrer außerordentlichen Beredtheit. Man muss sich ganz in ein Gehörorgan verwandelt um ihr folgen zu können, berichtet Schiller, dem zuerst die Aufgabe zugefallen war, ihr gegenüber das geistige Weimar zu repräsentieren, da Goethe noch zögerte, von Jena herüberzukommen." (Rüdiger Safranski 'Goethe & Schiller, Geschichte einer Freundschaft', Seite 287)
Allerdings macht es natürlich Spaß mit dem historischen 'Was wäre wenn' zu spielen und so den bekannten Figuren neue Seiten abzugewinnen. Sollte darüber hinaus noch der ein oder andere Leser gewonnen werden, die von den Protagonisten selbst geschriebene 'große' Literatur im Original zu lesen, dann erfüllt die Löhrsche Räuberpistole sogar noch einen Bildungsauftrag. Auf alle Fälle sollte man den Roman mit einem kleinen Augenzwinkern lesen und nicht immer alles auf die Goldwaage legen. Um dies dem Leser zu erleichtern, stellt Löhr dem Roman ein Schillerzitat voran, in dessen Licht besehen jetzt auch der stereotype und meist humorresistente 'Bildungsbürger' die von ihm ersponnene Geschichte in vollem Maße genießen kann:
"Überhaupt glaube ich, dass man wohl tun würde, immer nur die allgemeine Situation, die Zeit und die Personen aus der Geschichte zu nehmen und alles übrige poetisch frei zu erfinden, wodurch eine mittlere Gattung von Stoffen entstünde, welche die Vorteile des historischen Dramas mit dem erdichteten vereinigte." (Friedrich Schiller, Briefe an Goethe, 20.8.1799)
Fazit: Kurzweilig und spannend zu lesender Roman, der mit seiner gewagten Mischung aus deutscher Kulturhistorie und 'Jäger des verlorenen Schatzes' eine abwechselnd frische Sichtweise auf die Weimarer Klassik und die deutsche Romantik bietet, indem er dem Leser deren Hauptakteure auf unprätentiöse Weise nahebringt. Lesen!

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Donnerstag, 22. April 2010

Liebe, Triebe und Tragödien - Johann Wolfgang Goethe 'Wahlverwandtschaften'


Zugegeben, irgendwie gefiel mir meine (erste Version) der Überschrift noch nicht so richtig. Aber es ist auch alles andere als einfach, den rätselhaftesten von Goethes Romanen auf einen kurzen Nenner zu bringen, ohne polemisch zu werden oder den rechten Sinn zu verfehlen. Gut 200 Jahre ist es jetzt her, dass die 'Wahlverwandtschaften' erschienen sind und sie vermögen immer noch streckenweise zu fesseln und ziehen uns hinein in einen (jetzt wird es doch polemisch/ironisch) 'Strudel der Leidenschaft'...

Über 30 Jahre sollten vergehen, damit dem guten, jetzt gereiften Johann Wolfgang von Goethe ein neuer großer Romanerfolg nach seinem fulminanten und ungemein populären 'Werther' (Die Leiden des jungen Werthers) gelingen sollte. Wieder geht es um Gefühl und Leidenschaft, aber diesmal in einer fortgeschritteneren Variante. Aber wieder soll es böse enden....

Halt, halt. Ich nehme ja üblicherweise nicht die Pointe vorweg und verrate zuviel von der Geschichte. Aber Goethes Wahlverwandtschaften wurden mindestens ebenso 'totinterpretiert' wie Kafkas Novellen, d.h. meine kleine dtv-Ausgabe besitzt am Anschluss an die Geschichte knapp 100 Seiten Anhänge mit Deutungen, Anmerkungen, Erklärungen, Zeitgenössischem, uvm. Dummerweise verrät eine dieser ersten Anmerkungen, die man bereits nach wenigen Seiten Roman unbescholten als Erläuterung getarnt liest, wie das Ganze ausgeht. Aber ich versuche am Besten erst einmal den Handlungsfaden zu umreissen:

Das adelige Ehepaar Eduard und Charlotte leben, ein jeder in zweiter Ehe, glücklich miteinander in einem Schloss umgeben von einem idyllischen Garten. Gärtnerische Aktivitäten und landschaftliche Umgestaltungen bilden die einzigen 'Aufregungen' in dieser Idylle, die durch Eduards Einladung an seinen Freund den Hauptmann (keine Namen...) gestört wird. Zum Ausgleich nimmt sich Charlotte ihre Nichte Ottilie zur Gesellschaft mit auf das Schloss. Schon bald kristallisiert sich eine Zuneigung zwischen Eduard und Ottilie, sowie zwischen dem Hauptmann und Charlotte heraus. Eines Abends schleicht der liebestrunkene Eduard durch das Schloss und landet im Schlafzimmer seiner Frau. Beide geben sich einander hin, Eduard in Gedanken an Ottilie, Charlotte bei ihrem Hauptmann. Doch aus der Liebesnacht soll ein Kind hervorgehen....
"In der Lampendämmerung sogleich behauptete die innere Neigung, behauptete die Einbildungskraft ihre Rechte über das Wirkliche: Eduard hielt nur Ottilien in seinen Armen, Charlotten schwebte der Hauptmann näher oder ferner vor der Seele, und so verwebten, wundersam genug, sich Abwesendes und Gegenwärtiges reizend und wonnevoll durcheinander." (Seite 86)
Eduard gesteht Ottilie seine Liebe. Charlotte und der Hauptmann aber kommen überein, ihrer Liebe zu entsagen. Um der ganzen Situation aus dem Weg zu gehen, verlässt Eduard Charlotte und Ottilie und zieht verzweifelt in den Krieg. Das Kind wird geboren und überraschenderweise sieht es sowohl Ottilie und dem Hauptmann, nicht aber seinen leiblichen Eltern ähnlich. Ottilie wird die Obhut des Kindes anvertraut, doch als Eduard unversehrt und unvermittelt aus dem Krieg zurückkehrt, geschieht ein Unglück. Beim Einsteigen in einen Kahn entgleitet Ottilie das Kind. Es fällt in den See und ertrinkt. (So...jetzt wird es etwas 'gefühlsduselig'). Vor lauter Verzweiflung spricht Ottilie kein Wort mehr, verweigert jegliche Nahrungsaufnahme, wird zusehends schwächer und stirbt. Vor Gram und Kummer stirbt schließlich auch Eduard.
"Wo in den übrigen Wesen die Natur ihre Kräfte walten lässt, da entsteht Leben, da ist Dauer; und den Menschen vernichtet sie oft durch eben diese Kräfte. - Das ist das tragische Prinzip, das in den Wahlverwandtschaften herrscht, und das unwiderstehlich uns ergreift und die Menschheit in uns erschüttert." (Seite 267, Rudolf Abeken über Goethes Wahlverwandschaften, 1809)
Als 'Wahlverwandschaft' bezeichnet Goethe die wechselseitige Anziehungskraft der beiden Paare Eduard und Charlotte sowie Ottilie und des Hauptmanns. Er entlehnt diesen Begriff der Chemie: Gibt man zu einer chemischen Verbindung AB einen dritten Stoff C hinzu und besitzt dieser eine stärkere Verwandtschaft (Affinität) zu A als A zu B, so verbinden sich A und C wahlverwandtschaftlich.

Eduard ist von der Idee der 'Wahlverwandtschaften' vollends überzeugt. Allerdings scheitert er bei seinem Versuch, diese auf menschliche Beziehungen übertragen zu können. Schuld daran sind die gesellschaftlichen Zwänge der Zeit. Dabei leuchtet Goethe den Charakter seiner Figuren schonungslos bis in die letzten Tiefen aus und ist seiner Zeit dabei wohl auch ein gutes Stück voraus.
"Eine jede Ehe sollte auf 5 Jahre geschlossen werden. Es sei, sagte er, eine schöne, ungerade, heilige Zahl und ein solcher Zeitraum eben hinreichend, um sich kennenzulernen, einige Kinder hervorzubringen, sich zu entzweien und, was das schönste sei, sich wieder zu versöhnen." (Seite 74)
Philosophie, Chemie, Naturphilosophie und Psychologie - all diese Themen werden in den Gesprächen der Hauptfiguren nicht nur gestreift und stellenweise fühlte ich mich bei diversen Gartenspaziergängen schon auf den 'Zauberberg' versetzt. Allerdings stellt die antiquierte und mitunter komplizierte Sprache schon ihre Ansprüche an den geneigten Leser und stellt auch dessen Geduld auf eine harte Probe. Die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts kommt uns dabei heute so seltsam fern und vor allen Dingen langsam und 'entschleunigt' vor.
"Wir spielen mit Voraussagen und Träumen und machen dadurch das alltägliche Leben bedeutend. Aber wenn das Leben nun selbst bedeutend wird, wenn alles um uns sich bewegt und braust, dann wird das Gewitter durch jene Gespenster nur noch fürchterlicher." (Seite 122)
Fazit: Ein heute wie damals sehr lesenswerter Roman mit interessanten Einblicken in das menschliche und eheliche Miteinander unter dem Zwang der gesellschaftlichen Ettiquette. Nicht immer ganz einfach, aber unbedingt LESEN!

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Sonntag, 21. Februar 2010

Ein glückliches Ereignis - Rüdiger Safranski 'Goethe & Schiller, Geschichte einer Freundschaft'


'Ein glückliches Ereignis', so nannte Johann Wolfgang von Goethe seine Freundschaft mit Friedrich Schiller zurückblickend auf die wenigen Jahre, die den gemeinsamen Lebensweg dieser beiden Giganten der deutschen Literatur- und Geistesgeschichte beschreiben. Für gut 10 Jahre standen Weimar und Jena im Mittelpunkt ihres gemeinsamen geistigen Schaffens und Wirkens und mit seinem neuen Buch 'Goethe & Schiller, Geschichte einer Freundschaft' gelingt es Rüdiger Safranski, diese Ausnahmefreundschaft lebendig, unterhaltsam und auch mit einem kleinen Augenzwinkern vor unserem geistigen Auge erblühen zu lassen.

Es gibt wohl kaum zwei Persönlichkeiten der deutschen Geistesgeschichte, die uns auch heute noch tagtäglich so präsent sind, wie Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Kaum einer verlässt heute die deutsche Schullandschaft, ohne nicht wenigstens über einen der beiden Literaten gestolpert zu sein, auch wenn sich ihr tatsächlicher Einfluss im Gegensatz zur Generation unserer Eltern und Großeltern heute hauptsächlich auf das beständig sich ausdünnende Bildungsbürgertum beschränkt. Rüdiger Safranski, der sich zuvor schon mit den Biografien Schillers, Nietzsches oder E.T.A. Hoffmanns befasst hatte, lässt in seinem neuen Buch 'Goethe & Schiller, Geschichte einer Freundschaft' ebendiese Männerfreundschaft chronologisch vor dem Auge des geneigten Lesers Revue passieren. Dabei stützt er sich weitgehend auf den von Goethe 20 Jahre nach Schillers Tod herausgegebenen Briefwechsel der beiden sowie auf zahlreiche weitere zeitgenössische Quellen, die feinsäuberlich im bibliografischen Anhang des Buches zusammengestellt wurden.


Er startet mit der ersten Begegnung des jungen Schillers mit dem 'Genie' Goethe, der im Jahre 1779 zusammen mit seinem Herzog Karl-August in offizieller Mission die Militärakademie der hohen Karlsschule in Stuttgart (heute Schloss Solitude) zum Zweck einer Preisverleihung an die Studenten besuchte. Der damals noch unbekannte Schiller war einer der Studenten der Karlsschule und der bereits in Amt und Würden tätige Goethe war durch seinen Roman 'Werther' und den 'Götz von Berlichingen' zu internationalem Ruhm gelangt. Aber es sollten noch 15 Jahre vergehen, ehe das 'glückliche Ereignis' eintreten konnte und sich die beiden tatsächlich kennen und wertschätzen lernten. Safranski schildert Charakter und Entwicklung der beiden Dichter und Denker bis zu diesem Zeitpunkt, wobei die beiden neben ihrem Genie eher gegensätzliche Positionen und Meinungen vertraten. Schiller wird berühmt als Autor der 'Räuber', dieses 1782 aufgeführten Meisterstücks der 'Sturm und Drang'-Zeit um den Konflikt zwischen Freiheit und Gesetz. Doch in diesen politischen instabilen Zeiten - die französische Revolution stand schon fast vor der Türe - brachte das von der Jugend umjubelte Stück seinem Autor reichlich Probleme. Herzog Karl-Eugen verwarnte den unbotmäßigen Autor mit 14 Tagen Festungshaft und verbot ihm fortan jegliche publizistische Tätigkeit. Schiller flieht und gerät 1787 schließlich nach Weimar, wo sich seine prekäre Lage langsam konsolidieren kann.

Während Schiller mit seinen 'Räubern' die Freiheit entdeckte, entdeckte Goethe an der Universität Jena den berühmten Zwischenkieferknochen, einem beim erwachsenen Menschen zurückgebildeten Knochen, dessen Existenz aber eine gemeinsame stammesgeschichtliche Entwicklung des Menschen und der Tiere nahelegte. Während Schiller vor seinem Herzog aus Stuttgart flieht, flieht Goethe vor seinen Verpflichtungen als Geheimer Rat am Weimarer herzoglichen Hof in seine gut 20 Monate währende Italienreise.
"Die Doppelexistenz als Pegasus und Amtsschimmel war ihm zu anstrengend geworden...Er fühlte seine poetische Ader austrocknen." (Seite 47)
Der reifere und erfahrenere Goethe sieht in Schiller auch immer ein wenig seine eigene jugendliche 'Sturm und Drang'-Zeit, die er als überwunden betrachtete. Revolution ist ihm etwas Schreckliches. Er ist zwar kein Verfechter der Adelsprivilegien, aber der mit der Revolution verbundene 'soziale Vulkanausbruch' ist ihm genauso wie alles andere 'Plötzliche und Katastrophische' verhasst, 'in der Natur ebenso wie in der Gesellschaft. Das Allmähliche zog ihn an. Er suchte nach Übergängen, vermied Brüche' (Seite 81). Diese Voreingenommenheit gegenüber Schiller verhinderte auch eine frühere Annäherung der beiden, so dass das 'glückliche Ereignis' ihrer näheren Bekanntschaft erst am 20. Juli 1794 stattfinden konnte.
"Wir gingen beide zufällig heraus, ein Gespräch knüpfte sich an, er (Schiller) schien an dem Vorgetragenen Teil zu nehmen, bemerkte aber sehr verständig und einsichtig und mir sehr willkommen, wie so eine zerstückelte Art die Natur zu behandeln, den Laien, der sich gern darauf einließe, keineswegs anmuten könne." (Seite 107)
Mit diesen Worten beginnt Goethe im Rückblick die Schilderung dieses ersten denkwürdigen Freundschaftsmoments, der die beiden Literaten für die folgenden 11 Jahre aneinander binden sollte.

Safranskis Darstellung ist übervoll mit Zitaten und kleinen Anekdoten, mit denen er es versteht die Persönlichkeiten seiner beiden Protagonisten plastisch zum Leben zu erwecken. Die schwierige Annäherung Schillers an Goethe während seiner anfänglichen Weimarer Zeit, gemeinsame Phasen hoher Produktivität sowie auch einzelner Trockenphasen, in denen der eine den anderen freundschaftlich beratschlagt und unterstützt, anhand zahlreicher Begebenheiten und Beispielen haben wir an dieser kurzen Hochzeit der 'Weimarer Klassik' teil. Für mich umso interessanter, da mir das Lokalkolorit aus meinen eigenen Jahren in Weimar und Jena sehr vertraut ist. Auch glaubt man manchmal ein kleines Augenzwinkern des ansonsten wissenschaftlich akribischen Autors zu erkennen, wenn er beispielsweise den Besuch Madame de Staels in Weimar schildert, zu dem sich Goethe durch gewollte Abwesenheit geschickt aus der Affäre zu ziehen versucht.
"Madame überraschte Weimar mit solch raffinierter Natürlichkeit, aber vorallem mit ihrer außerordentlichen Beredtheit. Man muss sich ganz in ein Gehörorgan verwandelt um ihr folgen zu können, berichtet Schiller, dem zuerst die Aufgabe zugefallen war, ihr gegenüber das geistige Weimar zu repräsentieren, da Goethe noch zögerte, von Jena herüberzukommen." (Seite 287)

Die epochemachende Freundschaft endete aber auch nicht mit Schillers viel zu frühem Tod 1805. Im Nachhinein steigerte und verklärte Goethe seinen Freund zusehends. Auch die Episode mit Schillers Schädel (der nachgewiesener Maßen gar nicht der von Schiller war) gibt zu denken. Dieser wurde 1826 anlässlich einer Erweiterung der Gewölbegrabstätte zusammen mit zahlreichen weiteren Gebeinen in Weimar exhumiert. Der Weimarer Bürgermeister Karl Leberecht Schwabe deklamierte dabei den größten gefundenen Schädel als Schillers Haupt, und dieser fand seinen Weg in Goethes Privatbibliothek, in der er ein gutes Jahr lang stehen sollte...
Am Ende fasst Goethe diese Freundschaft mit den folgenden Worten auf wunderbare Weise zusammen:
"Ein Glück für mich war es...dass ich Schillern hatte. Denn so verschieden unsere beiderseitigen Naturen auch waren, so gingen doch unsere Richtungen auf Eins, welches denn unser Verhältnis so innig machte, dass im Grunde keiner ohne den anderen leben konnte." (Seite 310)
Fazit: Eine wunderbare, sorgfältig recherchierte und aufbereitete Chronologie einer epochemachenden Freundschaft zwischen den beiden deutschen Geistesgiganten, die unsere Kultur für immer prägen sollten. Anspruchsvoll, aber durchaus immer unterhaltsam und interessant zu lesen. Lesen!

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Samstag, 19. September 2009

Schiller zum Genießen - auch für unduldsame Zeitgenossen geeignet

"Also warum tut man sich das an und liest freiwillig Schiller?" So oder ähnlich mag so manch einer fragen, dem der bildungsbürgerliche Eifer unserer Gymnasien einen der kreativsten und ungewöhnlichsten klassischen Literaten gründlich "vergräzt" hat. Egal, ob linksmotivierte Klassenkonfliktinterpretationen über 'Kabale und Liebe', das heute so manchem unverständliche 'Räuber'-Drama oder immer wieder gerne auswendig zu lernende Gedichte, wie die 'Glocke', die 'Bürgschaft' oder die weniger bekannten 'Kraniche des Ibikus' - die allermeisten Schüler können Schiller nicht ausstehen...

Ob das am Alter liegt, mit dessen Fortschreiten man ja bekanntlich auch weiser wird, ich kann es nicht sagen. Zugegeben, das Auswendiglernen von Gedichten oder die allseits 'beliebte' Gedichtinterpretation waren auch schon als Schüler nicht wirklich mein Ding. Aber 'Kabale und Liebe', das hat wirklich Spaß gemacht!
"Dumm ist mein Kopf und schwer wie Blei,
die Tobaksdose ledig,
Mein Magen leer - der Himmel sei
Dem Trauerspiele gnädig."
Schiller kann, wie man sieht, wirklich auch unterhaltsam sein. Dazu braucht es nicht erst den von German Neundorfer im Fischer Verlag herausgegebenen Sammelband "Schiller zum Genießen". Doch das Bändchen fiel mir bei einem Kurzbesuch der Potsdamer Bahnhofsbuchhandlung in die Hände und lud sofort zum Schmökern ein. Insbesondere, da ich gerade ein Buch über den berühmten Wunderheiler und Hochstapler Graf Cagliostro gelesen hatte, regten insbesondere die kommentierte Fragmente des Schillerschen 'Geistersehers' sowie Bemerkungen über die Person des Grafen Cagliostro selbst mein Interesse.

Dem unterhaltsamen Kapitel "Geisterseher und ihre Gesellen - okkulte Schriften" folgen weitere Fragmente und Briefe zum Thema "Raub, Mord und Todschlag - Schriften zur Kriminalistik", gefolgt von historiografischen Schriften (Warum und zu welchem Ende studieren wir Universalgeschichte? - aus Schillers Antrittsvorlesung in Jena), die ebenfalls wider Erwarten interessant und unterhaltsam sind. Schwieriger werden dann die dramaturgischen Schriften, in denen sich Schiller über (mir unbekannte) Schauspielerinnen und Verhältnisse der deutschen Theaterlandschaft am Ende des 18. Jahrhunderts auslässt (Waldorf und Statler lassen grüßen...).

Die folgenden 'poetologischen Schriften' sind dann wieder teilweise von Interesse, insbesondere dann, wenn über die Weimarer 'Dichter- und Gelehrtenschikeria' hergezogen wird. Dagegen sind die anschließenden Schriften zur Religion und zu den 'letzten Dingen' dann wieder etwas schwerverdaulich und nicht für jedermanns Geschmack. Den Abschluss machen 'kleinere Schriften zum Weib, zur Erziehung und zur Medizin', die wieder höheren Unterhaltungswert besitzen. Sogar das minutiös genaue Protokoll einer Leichen-Öffnung lässt Raum zum gruseligen Schauder...
"Die Leiche war abgezehrt, aber nicht erstarret. Vom Aufliegen hatte er eine Entzündung. Als man die Brust öffnete, floß eine große Menge gelblichen Blutwasser heraus. Das Netz, so sehr gering war, schien wie brandig, doch hatte es den faulen Geruch nicht...."
Die Zusammenstellung der einzelnen Schriften ist gelungen, der am Ende des Buches angefügte bibliografische Nachweis dagegen ist für meinen Geschmack zu dürftig geraten. Verweist der Herausgeber - mit Ausnahme der enthaltenen Briefe - doch stets nur auf die 5-bändige Schiller Werksausgabe des Münchner Riedelverlages, ohne genauere Angaben zum Kontext der entnommenen Schriftfragmente zu machen. Insbesondere zur Orientierung für einen Leser, der besagte Ausgabe eben nicht sein Eigen nennt, in dem aber doch Appetit auf weitere, zum jeweiligen Thema passende Schiller-Lektüre geweckt wurde, wäre eine detailliertere und kommentierte Bibliografie wünschenswert.

Fazit: Wer mit Schiller bislang noch nichts anzufangen wusste, aber dennoch neugierig ist, dem sei das kleine Bändchen zum "Genießen" anempfohlen, wobei sicherlich auch der Schiller-Kenner die einzelnen "Genuss-Häppchen" zu goutieren weiß...

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Samstag, 9. Februar 2008

Geheimrat als Geheimagent - Robert Löhr: Das Erlkönig-Manöver

Man stelle sich vor, Goethe - jawohl, unser aller Deutschen Dichterfürst - im stattlichen Alter von 55 Jahren, begleitet von seinem Freund Schiller, den Dichterkollegen Achim von Arnim, Heinrich von Kleist und Bettine Brentano (später Bettine von Arnim), und dazu noch Alexander von Humboldt, auf einer tollkühnen Mission im napoleonisch besetzten Mainz, um den vermeintlichen letzten Erben der französischen Monarchie zu befreien. Klingt nach Räuberpistole? Ganz genau....

Aber alles von Anfang an. Wir schreiben das Jahr 1805. Geheimrat Goethe - man verwechsle diese Dienststellung, die einem Minister gleich kommt bitte nicht mit "Geheimagent" - wird also von seinem Herzog und Freund Carl-August mit der heiklen und bereits geschilderten Mission betraut. Als Motivation des Herzogs muss seine Sorge um das Wohlergehen seines "Thüringischen Athens" angenommen werden, da es Napoleons Eroberungsplänen leicht zum Opfer fallen könnte. (Tatsächlich ist Weimar später auch nur "um ein Haar" der Brandschatzung durch napoleonische Truppen entgangen...). Ziel des Herzogs ist vornehmlich die Restauration der Bourbonischen Monarchie, da es dem einzigen Sohn Ludwigs XVI., Louis-Charles, unter der Mithilfe des Polizeichefs Barras gelungen sein soll, unter Vortäuschung seines Todes aus der republikanischen Gefangenschaft zu entkommen.

Goethe stellt seine "Crew" zusammen: Sein enger Freund Friedrich von Schiller (erinnern wir uns....1805 war doch auch das Todesjahr Schillers...) und -- welch Zufall, da er doch gerade in Weimar weilt -- Alexander von Humboldt als Weltreise-erfahrenen "Scout". Unterwegs stoßen noch Achim von Arnim und dessen Zukünftige, Bettine Brentano zu der illustren Gesellschaft. Und da ist noch jener junge Soldat, der Goethe schon in Weimar nachstellt, um ihm sein Drama schmackhaft zu machen, auf dass Goethe es auf Weimars Theaterbühne groß herausbringe. Das Drama - wie sich später herausstellt -- ist kein geringeres als Heinrich von Kleists "Der zerbrochne Krug". Und tatsächlich, Goethes immer wiederkehrende Schramme unter seiner Perücke erinnert doch fatal an Dorfrichter Adams Blessur, die von besagtem Krug her stammte....

Es gelingt den Dichtern und Denkern tatsächlich unerkannt in das besetzte Mainz einzudringen und den vermeintlichen Dauphin rasch zu befreien, doch gestaltet sich die anschließende Flucht um so schwieriger und langwieriger. Dass dabei natürlich nicht alles so "glatt" läuft wie gedacht und dass das Ende in Weimar natürlich noch nicht das Ende der Geschichte ist, macht diesen kurzweiligen Roman doch lesenswert.

Aber ein paar VIPs zusammengewürfelt mit ein paar literarischen Zitaten, verstrickt in eine abenteuerliche -- aber zugegebenermassen weit hergeholten -- Handlung machen noch keinen guten Roman aus. Natürlich ist es besonders schwer, diesen Ikonen der deutschen Geisteskultur Leben einzuhauchen. Doch die Charaktere sind mir persönlich bei Robert Löhr doch leider etwas zu blass geraten. Am Anfang wird uns kaum Zeit gelassen, die Hauptpersonen richtig kennenzulernen. Humboldt ist ein ganz besonders gutes Beispiel für dieses Manko. Vergleicht man seine Darstellung mit der aus Daniel Kehlmanns genialem Meisterwerk "Die Vermessung der Welt", hat man das Gefühl es hier nur mit einem nichtssagenden Abziehbild des Kehlmannschen Sonderlings und Ausnahmeforschers zu tun zu haben. Und überhaupt, wenn Goethe und Schiller fortwährend sich selbst zitieren, so mag das zwar für die Literaturrecherche des Autors spechen, macht aber die Dialoge nicht wirklich glaubwürdiger. Natürlich zaubert es uns ab und an ein Lächeln um die Lippen, wenn das ein oder andere Bonmot fällt, das uns noch aus zähen Deutsch- und Lektürestunden nachhängt. Aber näher bringt es uns die beiden nicht - und menschlicher macht sie das ganz und garnicht.

Nichtsdestotrotz habe ich die Lektüre dieses Buches sehr genossen. Kurzweilig geschrieben und spannend, so dass man einfach dranbleiben musste. Für einen derzeitigen Wahl-Weimarer (es heißt nicht "Weimaraner", denn das ist der Name für eine Hunderasse...) wie mich macht die Schilderung des Goetheschen Weimars und des thüringer Umlandes natürlich auch einen beträchtlichen Teil des Charmes dieses Buches aus.

Fazit: kurzweilige Lektüre für alle, denen Schiller und Goethe im Deutschunterricht immer fremd geblieben sind und eventuell eine Chance, diese erstmalig kennenzulernen....vielleicht auch, um tatsächlich einmal selbst einen Blick in deren reichhaltige Hinterlassenschaft zu werfen....

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Dienstag, 23. Oktober 2007

So schön wie nie zuvor - Zur Wiedereröffnung der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar

Morgen, am 24. Oktober 2007, dem Geburtstag ihrer Namenspatronin (dem 268. Geburtstag...), wird die Weimarer Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek feierlich wiedereröffnet. Der weltberühmte Rokoko-Saal erstrahlt in einem Glanz wieder, wie wohl nie zuvor seit seinem gut 200 jährigen Bestehen. Musste die Bibliothek erst niederbrennen, bevor sie in neuem Glanz erstrahlen kann....so fragt die ZEIT in einem Artikel vom 18.10.2007?
Drei Jahre sind vergangen, seit dem verherenden Brand, bei dem die Bibliothek und 60.000 ihrer Bücher schwer beschädigt wurden. 16.000 Bücher konnten bislang wieder hergestellt werden, aber um alle beschädigten Bücher wieder restaurieren bzw. wiederbeschaffen zu können, veranschlagen die Verantwortlichen bis zu 30 Jahre. Alleine 12,8 Millionen Euro hat die Renovierung und Wiederherstellung des Bibliothekgebäudes verschlungen, noch einmal 67 Millionen Euro sind für die Bücher von Nöten. Zwar gingen bislang über 17 Millionen Euro an Spenden ein, aber die Geldquelle drohen langsam zu versiegen.

Morgen ist es also soweit, und das Bibliotheksgebäude wird wiedereröffnet. Leider bin ich derzeit in Potsdam und kann der Veranstaltung nicht beiwohnen. Den neuen Rokoko-Saal hätte ich schon gerne mal in neuem Glanz bewundert. Aber das kann ich ja noch nachholen. Für alle die, die auch nicht dabei sein können, gibt es hier auf den Web-Seiten der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek einen virtuellen 3D-Rundgang, der die Bibliothek in all ihrer Schönheit vor dem Brand....als auch nach dem verheerenden Brand zeigt. Die Feierlichkeiten rund um die Wiedereröffnung stellt damit den Höhepunkt des Anna-Amalia-Jahres 2007, dem 200. Todestages der Herzogin, dar. Den Auftakt der Festwochen macht die Ausstellung "Candida Höfer: Weimarer Räume". Candida Höfer hatte 2004 vor dem Feuer den Rokokosaal fotografiert, der als einer der schönsten Bibliotheksräume in Mitteleuropa gilt.


Wenn man denn schon mal in Weimar ist und sich für die Bibliothek interressiert, sollte man sich auf alle Fälle auch den Bibliothekserweiterungsbau am Burgplatz 4 einmal ansehen. Der Bücherkubus mit seinen 100.000 Bänden der Freihandbibliothek bildet einen treffenden modernen Kontrast zum klassischen Rokoko-Saal.








siehe auch:

  1. "Von der Vergänglichkeit des gedruckten Wortes", in Biblionomicon vom 03.09.2007.

  2. Ch. Simes: "Musste sie erst brennen...?", die ZEIT, 18.10.2007

  3. E. von Tadden: Klassische Schönheit, Die ZEIT, 18.10.2007.

  4. M. Knoche: Eine Forschungsbibliothek des 21. Jahrhunderts - Die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, Bibliothek 27. 2003. Nr. 1/2.


Dienstag, 28. August 2007

Mehr Licht.... - Goethe hat Geburtstag


Johann Wolfgang von Goethe, Dichter, Theaterleiter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann, der bekannteste Vertreter der Weimarer Klassik feiert heute (28. August 2007) seinen 258. Geburtstag (zudem in seinem 175. Todesjahr). 


Grund genug für mich als 'Wahl-Weimarer' (Achtung, bloß nicht verwechseln: es heist nicht 'Weimaraner', denn das wäre die bekannte Hunderasse...) mich heute kurz dem Jubeltag unseres lokalen Dichterfürsten (der ja eigentlich aus Frankfurt kam) zu widmen. In Weimar stolpert ja man quasi bei jedem Schritt über etwaige Hinterlassenschaften des Gleichnamigen. Vom Goethe-Wohnhaus am Frauenplan über das Goethe-Gartenhaus im Ilmpark (von dem im Kulturhauptstadtjahr tatsächlich eine zusätzliche exakte Kopie angefertigt worden ist, da man befürchtete, das über 200 Jahre alte Original könnte die Besuchermassen nicht verkraften...wo steht die heute überhaupt??), Goethe hier und Goethe da. Selbst an einem Restaurant, das Goethe NICHT zu Lebzeiten besucht hat steht auf einer Tafel zu lesen: 'Goethe hat hier zwar nicht gegessen, das Bier schmeckt aber trotzdem'. Gibt es 'Goethe' eigentlich schon als eingetragenes Markenzeichen?

Meine erste Begegnung mit Goethe fand vor langer Zeit im deutschen Fernsehen (zu einer Zeit als es tatsächlich nur 3 Programme gab) statt. Friedrich Wilhelm Murnaus genialer Stummfilm 'Faust - eine deutsche Volkssage' weckte das Interesse an diesem phantastischen Stoff des 'Dr. Faustus' und seinem 'Erfinder'. Dabei -- und ich war ziemlich enttäuscht das zu erfahren -- stammte der Sagenstoff gar nicht von Goethe selbst sondern geht auf alte Volkssagen zurück. Zudem soll Goethe in seiner Jugend bereits Christopher Marlowes Dramatisierung des Dr. Faustus selbst im Theater gesehen (und sich ihrer bedient) haben (BTW, erfolgreich den Bogen zu Christopher Marlowe geschlagen ;-) wir haben im Urlaub das Hörbuch zu Leslie Silberts 'Marlowe-Code' gerhört...Rezension folgt). In der Schule musste ich mich -- wie sicher viele andere auch -- mit Goethes Gedichten aus 'Sturm und Drang' und 'Klassik' auseinandersetzen (Bedecke Deinen Himmel Zeus, mit Wolkendunst....). Mit Goethes Allzeit-Bestseller 'Werther' konnte ich mich lange nicht anfreunden. Zu getragen und aufgesetzt empfand ich dessen überschwängliche Gefühlswallungen (und zu dämlich sein selbstgewähltes Ende). Aber eigentlich ist der in wunderbarer Briefform geschriebene Roman wirklich ein 'großer Wurf'. In jungen Jahren konnte ich mich nicht in das Gefühlsleben des in etwa gleichaltrigen Werthers hineinversetzen. Zu verschieden und zu weit entfernt sind die Umstände der Zeit. Im vergangenen Jahr erlebte ich eine ausschnittsweise Lesung des Romans von und mit Andre Eisermann. Wirklich, der Mann versteht sein Handwerk. Nachhaltig bin ich von seinem Vortrag (und daher auch vom Werther) begeistert! Natürlich sollte an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass vor einigen Wochen Ulrich Plenzdorf, der Schöpfer der 'Neuen Leiden des jungen W.' (a.k.a. der 'rote' Werther, "Jeans sind eine Einstellung und keine Hosen...") gestorben ist.

Nun denn, auch wenn Goethe und Schiller vor dem Weimarer Nationaltheater (...genau genommen ja vor dem Stumpf einer deutschen Eiche, die man auf der Rückseite des Denkmals bewundern kann...) derzeit aufgrund von Instandsetzungsarbeiten à la Christo verhüllt bleiben müssen (Foto folgt....was machen nun eigentlich all die Touristen, die sich sonst immer vor den beiden ablichten lassen), warten wir geduldig auf das nächste Jubiläum. 2009 feiert Friedrich Schiller seinen 250. ...

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