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Dienstag, 13. September 2011

Kurze Geschichte des Buchdrucks (5): Von der Inkunabel zum Bestseller

Augustinus: De Civitate Dei (1470)
gedruckt von Johann v. Speyer 
Bereits einige Jahre vor Gutenbergs Tod 1468 führten seine Schüler Konrad Sweynheim und Arnold Pannartz den Buchdruck in Italien ein und innerhalb von 30 Jahren verbreitete sich die Drucktechnik rasch in ganz Europa. Druckereien, sogenannte "Offizine", entstanden in den wichtigsten europäischen Großstädten, in Rom, Venedig, London, Utrecht und Paris. So fügte der deutsche Drucker Johann von Speyer (†1470), der sich in Venedig als Drucker niedergelassen hatte, seiner Cicero-Ausgabe ”Epistolae ad Familiares“ von 1469 folgendes Kolophon an:
"Jeder Deutsche brachte einst aus Italien ein Buch nach Haus. Was sie mitnahmen zahlt heut ein Deutscher reichlich wieder aus. Nämlich Hans von Speyer, den an Künsten keiner übertrifft. Er bewies, wie man Bücher besser schreibt: mit eherner Schrift." 
Im 15. Jahrhundert gedruckte Bücher, also aus der Zeit, als sich der Buchdruck noch in den Kinderschuhen befand, werden als Inkunabeln (Wiegendrucke) bezeichnet. Dabei wurde das Jahr 1500 als Ende der Inkunabelzeit rein aus bibliografischen Gründen festgelegt. Schätzungen gehen davon aus, dass in dieser Zeit etwa zwischen 24.000 und 40.000 verschiedene Titel [1] mit Auflagen zwischen 100 und bis zu über 2.000 Exemplaren gedruckt wurden [2]. Von diesen sind heute weltweit noch annähernd 550.000 Bücher erhalten [3]. Durch den vorwiegenden Druck in lateinischer Sprache erschloss sich diesen Druckerzeugnissen ein europaweiter Markt, der nicht durch regionale Sprachgrenzen eingeschränkt wurde. Neben Flugblättern, Moritaten, kirchlichen und weltlichen Kalendern zählen politisch, aufrührerische Reden oder Theologica zum Inhalt der ersten Druckwerke.

Aelius Donatus: Ars minor (1497)
Aber welche Bücher wurden als erstes mit Hilfe der neuen Drucktechnik produziert?
Natürlich steht an erster Stelle die Bibel als das wichtigste Buch der damaligen Zeit sowie Grammatiken und Lehrbücher der lateinischen Sprache. Besonders die lateinische Grammatik ”Ars Minor“ des römischen Philologen Aelius Donatus (ca. 310–380 n. Chr.), das populärste Grammatiklehrwerk des Mittelalters, erlebte auch als Druckwerk enorme Verbreitung. Alleine zu Gutenbergs Lebzeiten sollen davon in Mainz 24 Auflagen gedruckt worden sein. Aufgrund des geringen Umfangs von nur 28 Seiten konnte die Lehrgrammatik sehr schnell gesetzt, gedruckt und zudem preiswert verkauft werden. Im 16. Jahrhundert schwand die Bedeutung der Donate. Die mit dem Buchdruck auflebende philologische Wissenschaft sowie die Rückbesinnung der Humanisten auf das klassische Latein Ciceros weckten den Bedarf an differenzierteren und umfangreicheren Grammatiken.

Aber auch die von den Humanisten der Renaissance wiederentdeckten lateinischen Klassiker, wie z.B. die ”Historia Naturalis“ von Plinius dem Älteren (ca. 23-79 n. Chr.) oder auch die Werke von Horaz oder Vergil. Neben Werken in lateinischer Sprache erscheinen auch erste Druckwerke in den jeweiligen ”Volkssprachen“. Weite Verbreitung fand z.B. der ”Ackermann aus Böhmen“ von Johannes von Tepl, geschrieben um 1400 und 1470 erstmals in Bamberg von Albrecht Pfister gedruckt und mit großformatigen Holzschnitten verziert. Dieses Streitgespräch zwischen einem sterbenden Bauern und dem unsterblichen Tod wurde zu einem der ersten Bestseller der Geschichte.
"Erlischt uns Menschen das Lebenslicht, Und scheidet dahin alles irdische Leben, Wie soll´s dann Tod noch und Sterben geben? Wohin, Herr Tod, sollt Ihr dann kommen?" (Johannes v. Tepl: Ackermann aus Böhmen)
Die mit dem Buchdruck einhergehende Verbreitung der Lesefertigkeit förderte das Entstehen neuer literarischer Gattungen, insbesondere der neuen literarischen Gattung des Prosaromans. So entstanden Reiseberichte, satirische Exempelerzählungen wie der ”Eulenspiegel“, Übersetzungen von Volkssagen und neue, unterhaltende oder auch belehrende Romane und Ratgeber.

Conrad Celtis’ Epitaph
Hans Burgkmair d. Ä. (1507)
Insbesondere die Geistesströmung des Renaissance-Humanismus verdankte dem Buchdruck weite Verbreitung und enormen Einfluss. So rühmte der deutsche Humanist Conrad Celtis (1459–1508) die Buchdruckerkunst, erst diese "habe einen Anschluss an die geistige Größe der Antike möglich werden lassen". Startete die Renaissance, die Rückbesinnung auf die Werte und Ideale der Antike im Italien des 14. Jahrhunderts und brachte zahlreiche Dichter, Wissenschaftler und Philosophen hervor, sah der aus Mainz stammende Celtis sich und seine Landsleute diesseits der Alpen als hoffnungslos rückständig und unfähig, diesen geistigen und kulturellen Vorsprung jemals aufzuholen. Die große Chance eines Anschlusses an die Führungsrolle der Kulturvölker bot die neue Erfindung des Buchdrucks, mit dem philologisch korrekte Editionen und Antologien der antiken Werke in großer Auflage und zu einem erschwinglichen Preis produziert werden konnten. So verbreiteten sich bereits während der Inkunabelzeit die Werke zahlreicher antiker Autoren. Cicero, Ovid, Terenz, Horaz und Vergil wurden in großer Stückzahl gedruckt. Aber auch Werke der Rechtssprechung, wie die ”Institutiones Iustiniani“, wissenschaftliche Werke und die medizinischen Werke des griechischen Arztes Galen (129-199) erlangen grosse Popularität und wurden zum Ausgangspunkt kultureller und wissenschaftlicher Entwicklung.

 [Weiter geht es hier demnächst mit Teil 6: Gutenbergs Erben und der Siegeszug des Buchdrucks]


Weitere Beiträge zur Mediengeschichte im Biblionomicon:
Literatur:
  • [1] Brandis, Thilo: Handschriften- und Buchproduktion im 15. und frühen 16. Jh. In: Ludger Grenzmann; Karl Stackmann (Hg.): Literatur und Laienbildung im Spätmittelalter und in der frühen Reformationszeit. Stuttgart, pp.176-193 (1984)
  • [2] Wehmer, Carl: Zur Beurteilung des Methodenstreits in der Inkunabelkunde. In: Gutenberg Jahrbuch 1933, pp. 250-324 (1933)
  • [3] Badische Landesbibliothek: Nachweis von Inkunabeln der Badischen Landesbibliothek
  • [4] Meinel, Ch., Sack, H.: Digitale Kommunikation  Vernetzen, Multimedia, Sicherheit, Springer Verlag, Heidelberg (2009).

Montag, 28. März 2011

Kurze Geschichte des Buchdrucks (3): Gutenbergs Meisterstück

Im Mittelpunkt des letzten Teils dieser 'kurzen Geschichte des Buchdrucks' stand die historische Figur des Mainzer Goldschmieds Johannes Gutenberg und seine durch die Erfindung des Buchdrucks ausgelöste medientechnische Revolution. Allerdings ist es vor allen Dingen auch einer einzelnen, besonders waghalsigen Unternehmung Gutenbergs zuzuschreiben, dass der Buchdruck tatsächlich den Siegeszug antreten konnte, mit dem er die geschichtliche Entwicklung ein für allemal verändert hat: Gutenbergs 42-zeilige Prachtbibel - Ein Monumentalprojekt.

Das Projekt, das Gutenbergs Druckkunst schließlich zum großen Durchbruch verhelfen sollte, war seine Vision einer großformatigen, lateinischen Bibel, die sich in ihrer Qualität nicht nur mit den in aufwändiger Handarbeit erstellten Prachtbibeln vergleichen, sondern diese sogar noch übertreffen sollte. Dabei sollte die Bibel in der für die damalige Zeit enormen Auflage von gut 200 Bänden - 150 Exemplare in günstigerem Papierdruck und 35 auf feinem Pergament - entstehen. Der geplante Umfang war schlichtweg gigantisch. Die geplante Bibel umfasste 1.282 Seiten mit jeweils 42 Zeilen, insgesamt also etwa 3,5 Millionen Buchstaben. Für die Herstellung aller Exemplare benötigte Gutenberg trotz seiner bahnbrechenden und effizienten Technik annähernd drei Jahre. Vier bis sechs Setzer arbeiteten parallel am Satz der einzelnen Druckbögen, zwölf Drucker zusammen mit einigen Hilfskräften übernahmen die eigentliche, kürzere Druckarbeit, die an sechs Druckerpressen von Statten ging. Die Setzer arbeiteten mit 290 verschiedenen Zeichen und die Tagesleistung eines Setzers entsprach jeweils einer zweispaltigen Seite der 42-zeiligen Bibel (die daher auch als B42 bezeichnet wird).

Die Produktion dieses Prachtwerks verschlang nahezu 100.000 Drucktypen, 48.000 Papierbögen a 16 Seiten und für die Pergamentausgaben die Häute von 3.200 Tieren. Insgesamt waren 230.760 Arbeitsgänge an der Druckerpresse notwendig, was im günstigsten Fall 330 Tage erforderte. Allerdings war damals durch die große Anzahl an Feiertagen die Zahl der Arbeitstage auf 200 pro Jahr beschränkt. Anschließend erhielten die mechanisch erstellten Bände noch manuell aufwändig von Illuminatoren und Rubrikatoren ausgestaltete Initialen und Satzanfänge.

Benötigte ein Schreiber zur Abschrift einer kompletten Bibel etwa drei Jahre, konnte Gutenberg in derselben Zeit fast 200 Exemplare produzieren. Im Vergleich zu traditionellen Handwerkern waren Gutenbergs speziell ausgebildeten Arbeitskräfte sehr teuer und das bereitzustellende Rohmaterial kostete ein Vermögen, das Gutenberg alleine nicht in der Lage war aufzubringen. So musste er für die aus Italien importierten Papierbögen (in Deutschland konnten zu diese noch nicht in ausreichender Zahl und Qualität produziert werden) 600 Gulden und für das Pergament etwa 400 Gulden auslegen, so dass er sich zunächst bei einem Verwandten und anschließend mit gut 1.000 Gulden bei seinem kapitalkräftigen Geschäftspartner Johannes Fust verschuldete.

Für den Kredit waren selbstverständlich Sicherheiten zu hinterlegen und so setzte Gutenberg den Grundstock seines gesamten Unternehmens - Druckerpressen und Setzkästen - als Pfand ein. Zwar konnte Gutenberg sein Bibel-Projekt im Jahre 1454 erfolgreich beenden, doch trotz eines sehr zügigen Absatzes der prachtvollen Bibeln, die zudem etwa 75 % preiswerter angeboten werden konnten als traditionell gefertigte, kalligrafische Werke, konnte er den angesammelten Schuldenberg von über 2.000 Gulden (was etwa dem Gegenwert von vier Mainzer Stadthäusern entsprach) nicht zurückzahlen. Es kam zum Prozess und Gutenberg verlor sein Hab und Gut. Johannes Fust übernahm den Betrieb und Gutenberg sollte anschließend nie wieder in der Lage sein, sich in geordnete Verhältnisse zu bringen. 1468 starb Gutenberg in Mainz.

"Anno Domini 1468 uf Sankt-Blasius-Tag starb der ehrsam Meister Henne Gensfleisch, dem Gott gnade."
Beerdigt wurde Gutenberg in der Mainzer Franziskanerkirche, die nach zahlreichen Umbauten im 18. Jahrhundert abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Sein Grab ist nicht mehr auffindbar. Dafür existieren heute von den knapp 200 Exemplaren seiner Prachtbibel noch ganze 49, die aber teilweise nur noch einbändig bzw. in Fragmenten vorliegen.

[Weiter geht es hier demnächst mit Teil 4: Der Buchdruck macht Geschichte]
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Samstag, 19. Februar 2011

Eine kurze Geschichte des Buchdrucks: (2) Gutenbergs (R)evolution

Im vorangegangenen Teil dieser kleinen Serie über die 'Geschichte des Buchdrucks' wurde zunächst ein Augenmerk auf die Zeit vor Gutenberg und seiner Revolution der Buchdruckkunst gelegt. Gutenberg war natürlich nicht der erste Mensch, der je ein Buch gedruckt hat. Die Geschichte der Drucktechnik reicht weit zurück bis in das erste Jahrtausend unserer Zeitrechnung und startete im fernen Osten. Aber auch in Europa war die Technik des Holzschnitt-Drucks bereits vor Gutenberg in Gebrauch. Dieser Teil der Geschichte beleuchtet den zeitlichen Abschnitt während Gutenbergs Lebzeiten, des 15. Jahrhunderts, das zum Ausgangspunkt der wohl wichtigsten Entwicklung im Zuge der Menschheitsgeschichte werden sollte....

Die Entwicklung des Buchdrucks wird oft als initiales Ereignis gewertet, das den Menschen in eine Epoche der für jedermann zugänglichen und massenhaft verbreiteten Information führte. Seine Auswirkungen lassen sich kaum unterschätzen. So sahen es bereits die Zeitgenossen als ausgemachte Sensation, insbesondere die kirchlichen und weltlichen Machthaber, Information tausendfach und in Windeseile mit Hilfe der neuentwickelten Drucktechnik zu vervielfältigen.

Dem Kaumannssohn Johannes Gensfleisch zum Gutenberg (1397–1468), einem einfallsreichen Goldschmied, der den Hof zum Gutenberg in Mainz bewohnte, erfand ein neues Gießverfahren für bewegliche Lettern (Stempel) von hoher Präzision, das einen massenhaften Druck überhaupt erst ermöglichte. Ein sehr praktisches Folgeprodukt - also quasi die "Teflonpfanne" zu seiner epochalen Erfindung - stellt die dazu notwendige Normierung unserer Schrift dar, die heute oft übersehen wird. Gutenberg war seit 1434 nachweislich in Straßburg tätig, wo er bereits mit dem Typenguss und mit beweglichen Drucklettern experimentierte. Aus der Zeit davor gibt es nur wenige Quellen über ihn. Die Universität Erfurt rühmt sich der Immatrikulation eines ”Johannes de Alta villa“ für das Sommersemester 1418. Da Gutenberg nahe Verwandte in Eltville hatte und seine Familie aufgrund von Auseinandersetzungen mit den Mainzer Zünften die Heimatstadt mehrfach verlassen musste, geht man davon aus, dass er sich - wie damals üblich - unter seinem Vornamen, gefolgt von seinem Herkunftsort in das Matrikelbuch eingeschrieben hatte. Bekannt ist, dass er selbst auch als bücherkopierender Verlagsschreiberarbeitete, wobei er auch die sogenannten Blockbücher kennenlernte, die in einem einfachen, auf dem Holzschnitt beruhenden Stempelverfahren hergestellt wurden.

Allerdings erforderte die Produktion jeder einzelnen Seite eines Blockbuchs einen gewaltigen Aufwand und war daher der traditionellen Kalligrafie, die von ganzen Hundertschaften von Schreibern ausgeführt wurde, weit unterlegen. Hinter Gutenbergs bahnbrechender Entwicklung stand die einfache Idee, das Problem der mechanischen Vervielfältigung von Schriftgut mit Hilfe der Drucktechnik analytisch anzugehen, d.h. das Problem als Ganzes erst einmal auseinanderzunehmen in seine einzelnen Teile, um zu verstehen, dass alles, was der menschliche Geist mit Hilfe von Worten auszudrücken vermag, lediglich auf den 24 bekannten Buchstaben des lateinischen Alphabets und ein paar Satzzeichen beruht. Gutenbergs theoretische Lösung des Druckproblems bestand darin, gleichartige Stempel für Einzelzeichen in großer Zahl zu produzieren, die nach einer Drucklegung immer wieder für weitere Drucke verwendet werden konnten. Das wahrscheinlich schwierigste Problem, das er dabei zu lösen hatte, bestand darin, Druckstempel mit möglichst geringen Fertigungstoleranzen herzustellen. Bereits geringe Unterschiede in der Höhe der Drucktypen hatten zur Folge, dass einige Buchstaben stärker, andere nur recht schwach oder sogar überhaupt nicht auf der Druckseite erschienen. Da die Druckfläche vollkommen eben sein muss, müssen alle Drucktypen dieselbe Höhe haben. Dasselbe gilt ebenfalls für die Dimensionen Länge und Breite, da sich hier Abweichungen sogar aufsummieren und das Druckbild völlig zerstören können. Die größtmögliche Präzision erreichte Gutenberg letzendlich, indem er alle Drucklettern aus Metall herstellte, die alle mit Hilfe der gleichen Form gegossen wurden.

Daneben wandelte er auch das bislang gängige Druckverfahren ab: anstelle die Farbe durch Abreiben auf das Papier aufzutragen, wie es bei Holzschnitten üblich war, verwendete Gutenberg eine Druckerpresse, um die Farbe durch gleichmäßigen, hohen Druck auf das Papier zu übertragen. Um 1437 ließ er durch den Mainzer Drechsler Konrad Saßbach eine Drucker- presse nach seinen Entwürfen bauen, die ihrem Äußeren nach eher an eine Weinpresse erinnerte. Zur Produktion seiner Drucktypen ging Gutenberg folgendermaßen vor: Als erstes wurde auf der Stirnseite eines Stahlstabes der betreffende Buchstabe seitenverkehrt und erhaben als sogenannte "Patrize" eingraviert. Dann wurde der Stahlstab mit einem Hammer in weicheres Kupfer getrieben, wobei ein seitenrichtiger, vertiefter Abdruck des Buchstabens entstand, die so genannte "Matrize". Die Matrize diente als Gussform für die eigentliche Drucktype. Dazu musste sie exakt in ein Gießgerät einjustiert werden und wurde mit einer Bleilegierung (etwa 83% Blei, 9% Zinn, 6% Antimon und jeweils 1% Kupfer und Eisen) ausgegossen. Wichtig bei der Wahl der Legierung war, dass diese einerseits nach dem Guss schnell erkaltete, um so eine zügige Produktion zu gewährleisten, und andererseits nicht an den Seitenwänden der Gussform oder an der Matrize kleben blieb. Hierbei konnte Gutenberg auf seine Berufserfahrung als Goldschmied mit Metallen und Metallbearbeitung zurückgreifen. Das von ihm entwickelte Handgießinstrument war dann in der Lage, stündlich bis zu 100 Satzlettern zu produzieren.

Zum Erstellen der Druckvorlage wurden vom Setzer zunächst die Typen für eine einzelne Zeile in einem Winkelhaken zusammengetragen. Um zu gewährleisten, dass alle Zeilen in etwa die gleiche Länge aufweisen, wurde so genanntes Blindmaterial zwischen die Typen eingebracht, um so die Abstände zwischen ihnen auszugleichen und um einen Blocksatz zu erzielen. Die einzelnen Zeilen wurden in einem Setzschiff zu Spalten bzw. zu ganzen Seiten zusammengefasst. Dabei wurde der Zeilenabstand durch weiteres Blindmaterial korrigiert. Der fertig gesetzte Druckstock wurde dann mit Druckerschwärze (auch eine eigenständige Entwicklung Gutenbergs, hergestellt aus Lacken, Ölen, Holz, Lampenruß, Pech und Firniss) mit Hilfe eines ledernen Farbballens eingefärbt und in die Presse gelegt, in der ein befeuchteter Papierbogen bedruckt wurde. Dazu wurde der Papierbogen mittels Nadeln (Punkturen) in einem klappbaren Deckel fixiert, über den zum Druck noch ein weiterer Rahmen geklappt wurde, damit die nicht zu bedruckenden Seitenanteile nicht beschmutzt werden.

In der Zeit um 1450 entstand der erste Gutenberg zugeschriebene Druck (wenn auch Datierung und Zuordnung kontrovers diskutiert werden), der nur in einem kleinem Fragment erhalten geblieben ist: ein Gedicht vom Weltgericht in deutscher Sprache nach einem um 1360 in Thüringen verfassten Sibyllenbuch. Es folgen die Mainzer Ablassbriefe, eine Schulgrammatik des Donnatus, ein astrologisches Blatt der Planetenkonstellationen und andere Druckwerke, die jedoch in ihrer Datierung ebenfalls umstritten sind. Gutenbergs erstes repräsentatives Druckwerk, das ihn weit bis über seinen Tod hinaus berühmt machen sollte - die 42-zeilige lateinische Bibel (B42) - entstand in den Jahren 1452–1456. Dabei sollte die für die damalige Zeit schier unglaubliche Zahl von 189 Bibeln gedruckt werden, jede davon mit mehr als 1.200 Seiten Umfang. Erst der Erfolg dieses gigantischen Vorhabens sollte Gutenberg und mit ihm der Drucktechnik den großen Durchbruch ermöglichen.

[Weiter geht es hier mit Teil 3: Gutenbergs Meisterstück]


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Freitag, 4. Februar 2011

Eine kurze Geschichte des Buchdrucks: (1) Drucktechnik vor Gutenberg

Gestern, am 3. Februar vor genau 543 Jahren starb Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, der uns allen dem Namen nach bekannte Erfinder des Buchdrucks. Nicht von ungefähr wurde er aufgrund seiner epochalen und die Neuzeit einläutenden Erfindung 1999 zum "Mann des Jahrtausends" gekürt. Doch lag sein geniales Unternehmen vor allem in der Kombination bereits bekannter Techniken mit neuen Verfahrensweisen. Vor allem aber war es seine unternehmerische Großtat, die in der für die damalige Zeit wahnwitzigen Idee bestand, mehr als 100 Prachtbibeln zu produzieren, die es in ihrer Ausstattung mit den prächtigsten Handschriften aufnehmen konnten, die seinen Ruhm noch heute unter Beweis stellen.

Die Geschichte der Druckkunst lässt sich bis in das 9. Jahrhundert in China zurückverfolgen. Der älteste erhaltene Buchdruck stammt aus den buddhistischen Mönchshöhlen Dun-Huang im westchinesischen Turkestan. Es handelt sich um ein buddistisches Sutra mit Illustrationen, das im Jahre 868 hergestellt wurde, gut 100 Jahre nachdem man schon in Japan (heute allerdings verschollene) Bücher gedruckt hatte.Zudem sind bereits hölzerne Druckstöcke aus China bekannt, die bereits aus dem 6. Jahrhundert stammen. Sie wurden von buddistischen Priestern hergestellt, die religiöse Darstellungen in Holz schnitten, einfärbten und auf Seide oder Hadernpapier druckten. Als Stempel dienten dabei hölzerne Würfel und Täfelchen. Es ist überliefert, dass die Druckstöcke jeweils direkt und ohne Vorlage geschnitten wurden, so dass der Drucker erst am fertigen Ergebnis die Qualität seiner Arbeit begutachten konnte. Eine nachträgliche Korrektur des Druckstocks war nicht mehr möglich. Diese Technik des Holzschnitts gilt als das älteste grafische Druckverfahren.

In der chinesischen T'ang-Zeit (615--906 n. Chr.) kam man im 9. Jahrhundert erstmals die Idee auf, ganze Bücher zu drucken. Da man an der Authentizität alter überlieferten Texte zu zweifeln begann, beschloss man, die als zweifelsfrei echt anerkannten Fassungen dauerhaft in Stein zu gravieren. Dem bereits bekannten Holzdruck folgend wurden anschließend auch Druckplatten in Spiegelschrift gefertigt, um die kulturell bedeutsamen Schriften entsprechend vervielfältigen zu können. Zu einer ersten regelrechten Blüte des Buchdrucks kam es in China dann ab dem 10. Jahrhundert.

Der Druck mit beweglichen, aus Ton geformten Lettern geht auf den chinesischen Alchimisten und Drucker Pi Sheng zurück, der in den Jahren 1041--1049 seine Kunst ausübte. Die fehlerlose Übertragung der Texte auf den Druckstock war dabei von erheblicher Bedeutung. Ein einzelner Schnitzfehler machte einen der traditionellen aus einem Holz- oder Steinblock gefertigten Druckstock unbrauchbar. Pi Sheng kam daher auf die Idee, einen Schriftsatz aus Standardtypen zu entwickeln, die in Serienfertigung herstellen ließen. Dabei wurden jeweils einzelne Ideogramme der chinesischen Schrift aus Lehm in negative Formen gepresst und anschließend gebrannt. Die fertigen Typen wurden in einem Eisenrahmen zu ganzen Sätzen zusammengefasst, die mit einer klebrigen Masse zu einer vollständigen Seite fixiert wurden.

Beim bereits zu dieser Zeit auch in Europa bekannten Holzschnitt handelt es sich dagegen um eine sogenannte Hochdrucktechnik, d.h. die erhabenen Teile des Druckstocks werden eingefärbt und auf den zu bedruckenden Stoff abgerieben. Zur Herstllung des dazu benötigten Druckstocks wurde ein Holzblock in eine 2--4 Zentimeter starke Platte geschnitten, deren Faser in Richtung der Bildfläche verlaufen musste (Langschnitt), die anschließend sorgfältig gehobelt, geschliffen und geglättet wurde. Nachdem zuerst seitenverkehrt eine Vorzeichnung auf den hölzernen Druckstock aufgebracht wurde, erfolgte die Eintiefung der nichtdruckenden Teile des Bildes. Dabei wurden die vorgezeichneten Linien mit verschiedenen Messern möglichst exakt umschnitten. Die übrig gebliebenen Holzstege des Bildes wurden mit Hilfe eines mit Farbe getränkten Ballens oder durch Überrollen mit einer Walze eingefärbt und auf einen ungeleimten, leicht befeuchteten Papierbogen gedruckt, der über den Druckstock gelegt und mit einem Stoffballen abgerieben wurde.

Meist wurden die Holzschnitte nur einseitig bedruckt, da die Farbe durch das zum Drucken befeuchtete Papier durchschlug. Ein einmal geschnittener Holzstock konnte so bis zu mehrere hundert Male zum Drucken verwendet werden. Wurden mehrere Einzelblattdrucke zu einem kleinen Buch zusammengefügt, so entstand ein so genanntes Blockbuch.

Als im 14. Jahrhundert in Europa das Papier als kostengünstiger und massenhaft produzierbarer Beschreibstoff aufkam (siehe Biblionomicon 'Eine kurze Geschichte des Papiers') wurde mit diesem auch die Technik des Holzschnitts importiert. Dargestellt wurden darin häufig biblische oder theologische Themen, allerdings meist in bildhafter Form, da der Großteil der damaligen Bevölkerung des Lesens und Schreibens nicht mächtig war (siehe Biblionomicon 'Kurze Kulturgeschichte des Lesens'). So wurden in Zeiten der Pest sogenannte "Pestblätter"gedruckt, auf denen die als Pesthelfer verehrten Heiligen zusammen mit Gebetstexten und medizinischen Ratschlägen abgebildet waren. Daneben spielten als Holzdruck produzierte Flugblätter in der Zeit vor Gutenbergs Erfindung eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Nachrichten. Aber auch nach der durch Gutenberg ausgelösten Druckrevolution verlor der Holzschnitt zunächst nichts von seiner Bedeutung, da er immer häufiger zur Buchillustration eingesetzt wurde. So beinhaltet die 1493 erschienene "Schedelsche Weltchronik" des Nürnberger Druckers Anton Koberger knapp 2.000 Holzschnittillustrationen.

Seinen ersten künstlerischen Höhepunkt in Europa erreichte der Holzschnitt mit den Werken Albrecht Dürers (1471--1528), der den Holzschnitt von der reinen Buchillustration befreite und mit bis dato nicht gekannter technischer Reife als eigenständiges Kunstmedium etablierte.
Die im 15. Jahrhundert aufkommende Tiefdrucktechnik des Kupferstichs erlaubte dann auch eine stärkere Differenzierung der Tonwertstufen des dargestellten Bildes und damit eine nuanciertere künstlerische Darstellung.

[Weiter geht es hier mit Teil 2: Die Gutenberg'sche Druckrevolution]


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