Freitag, 26. September 2008

Abbé Prévost: Manon Lescaut ...das kann nicht gut enden

Antoine François Prévost (oder kurz Abbé Prévost) schuf mit seinem 1731 erstmals veröffentlichten kurzen Roman "Manon Lescaut" (L'Histoire du chevalier des Grieux et de Manon Lescaut) geradezu ein archetypisches Werk, das Vorlage für unzählige weitere Romanstoffe und Filme werden sollte: Eine ungaublich schöne, reizvolle- aber gefährliche - Frau, an der sich ein vormals lauterer Charakter sehenden Auges zu Grunde richtet...
Das Motiv kennen wir nur allzu genau. Prosper Merimèes "Carmen" und Bizets wohlbekannte gleichnamige Oper. Oder auch in abgewandelter Form Alexandre Dumas' "Kameliendame", in der Manon Lescaut sogar direkt zitiert wird. Und da wir schon bei den literarischen Varianten angekommen sind, dürfen wir auch nicht Emile Zolas "Nana" vergessen, an der sich die Männer zu Grunde richten....genauso wie Lola in Heinrich Manns "Professor Unrat" oder vielmehr Marlene Dietrich im "Blauen Engel"....

Aber kommen wir zunächst erst einmal auf die Geschichte zurück. Frankreich, wir befinden uns im beginnenden 18. Jahrhundert, das Spätbarock. Der junge, adelige Chevalier Des Grieux verliebt sich stehenden Fußes in eine Zufallsbekanntschaft, die blutjunge und unglaublich liebreizende Manon Lescaut, eine Bürgerliche. Des Grieux stammt aus einer angesehenen Familie, aber er setzt sein Erbe, die Liebe seines Vaters und seine sichere Zukunft bewusst aufs Spiel und flieht gemeinsam mit Manon. Aber woher soll das Geld kommen, das er braucht, um Manon einen "angemessenen" Lebensstil führen zu lassen.
Manon war ein Geschöpf von ungewöhnlichem Charakter. Es gab wohl kein anderes Mädchen, das so wenig wie sie am Gelde hing, aber sie geriet trotzdem sofort in große Unruhe, wenn sie auch nur einen Augenblick befürchtete, in Mangel zu kommen. Vergnügen und Zeitvertreib waren ihr nun einmal Bedürfnis... sich durch Unterhaltungen zu beschäftigen, das war für sie so notwendig, daß man sich sonst nicht auf ihre Laune und Stimmung verlassen konnte.
Also bemüht Des Grieux immer wieder seinen loyalen, alles andere als wohlhabenden Freund Tiberge, der den Weg eines Geistlichen eingeschlagen hat, und versucht sich in zahlreichen Betrügereien. Aber der so erlangte Reichtum ist alles andere als beständig und so kommt es, dass Manon Des Grieux immer wieder für einen reicheren Mann verlässt.

Schließlich geraten die beiden Liebenden nach zahllosen Irrungen und Wirrungen nach New Orleans. Die fehlenden Klassenschranken der 'Neuen Welt' erlauben ihnen nunmehr das 'offizielle' Zusammenleben, aber wieder weckt Manons Schönheit Begehrlichkeiten und als Des Grieux in guter Absicht, Manon zu heiraten, dem Provinzgouvaneur gesteht, dass sie beide noch gar nicht verheiratet wären, nimmt das Verhängnis seinen Lauf...

Auch wenn das Buch zu Goethes Zeiten schon den Ruf eines "Klassikers" hatte, stößt es auch heute noch auf deutliche Resonanz, geht es doch um die immer aktuellen Themen Liebe, Betrug, Eifersucht, Unvernunft, etc. Obwohl sich Des Grieux stetig zu Grunde richtet, scheinen ihm alle äußeren Umstände wie Armut, Verlust des Erbes und der Titel, vollkommen belanglos, wenn er nur mit dem abgöttisch geliebten Wesen zusammen sein darf. Aber die Erfüllung von Manons Bedürfnissen ziehen ihn immer tiefer hinab. Er betrügt beim Kartenspiel, er wird zum Zuhälter und Dieb, wird betrogen und gerät selbst ins Gefängnis. Die blinde Liebe zu Manon lässt ihn alles vergessen, und obwohl er selbst um diese fatale Liebe weiss und sich ihrer Konsequenzen bewusst ist, steuert er geraden Weges in sein Unglück....

Fazit: Eine immer aktuelle, kurzweilig und melancholische kleine Geschichte um den Prototypen einer 'femme fatale". Lesen!

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