
Joseph von Eichendorff zählt zu den deutschen Romantikern. In den ersten 30 Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelte sich diese Zeitströmung zu voller Blüte und zeichnete sich vor allen Dingen durch die Betonung von Phantasie und Gefühl -- ganz im Gegensatz zur rationalen Klassik -- und durch die Betrachtung der geheimnisvollen Kräfte und der Schönheit der Natur aus. Irgendwie also eine viel zu früh gekommene FlowerPower-Esoterik-Generation, die sich als Gegenbewegung zur immer weiter fortschreitenden Epoche der Industrialisierung abgrenzte.
In 'Aus dem Leben eines Taugenichts' erzählt und Eichendorff die Geschichte eines jungen Mannes, der von seinem Vater, dem Müller, kurzerhand von zuhause 'rausgeschmissen' wird (er sei ein 'Taugenichts' und solle doch mal draußen in der Welt' versuchen, sein Brot zu erwerben...). Und so gibt sich unser junger Held - die Geschichte wird in der ICH-Perspektive erzählt - kurzerhand auf Wanderschaft. Seine Geige, seine Musikalität und sein angenehmes Äußeres verhelfen ihm dabei immer wieder in Verbindung mit zahlreichen glücklichen Fügungen des Schicksals, unverhofftermaßen ein Auskommen zu finden. So wird er zuerst Gärtner in einem Schloß beschäftigt und kurz darauf zum Zolleinnehmer befördert, eine Profession, die ihm ohne viel zu arbeiten einen sicheren Lebensunterhalt bescheren könnte. Er verliebt sich unglücklich in die schöne Gräfin des Schlosses, ist tief betrübt, da er sie bereits vergeben wähnt, und macht sich kurzentschlossen auf in Richtung Italien (Seit Goethe ja das Land, 'in dem die Zitronen blühn' und des Deutschen liebstes Urlaubsland). Auf seinem Weg macht er die Bekanntschaft mit zwei Räubern, die sich dann aber doch als Maler herausstellen, die er auf ihrer Reise nach Italien begleiten wird. Und hier beginnen die Verwirrungen und Verwicklungen....

In vielerlei Hinsicht hat mich der 'Taugenichts' an einige literarischen Nachfolger erinnert. So gerät er immer wieder in Situationen, die ihm ja eigentlich ein 'glückliches Auskommen' ermöglichen würden, lässt es aber gar nicht so weit kommen, sondern macht sich wieder fort auf die Wanderschaft. Ein regelrechtes 'Road-Movie'. Den gleichen Eindruck hatte ich auch bei der Lektüre von Salingers 'Der Fänger im Roggen', auch wenn hier die Grundstimmung lange nicht so positiv war. Salingers Held hat ebenfalls keine rechte Ahnung, was er mit sich anfangen soll, es bieten sich im tausend Gelegenheiten, die allesamt in einer Art 'was wäre wenn...' angedacht und doch nicht eingeschlagen werden.
Fazit: Ein phänomenales kleines Bändchen, das einen kleinen Blick in die Stimmung und Geisteswelt eine Epoche gestattet, die uns heute wieder allzu fern erscheint.
Links:
- Joseph v. Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts, Volltext bei zeno.org
- Erstdruck mit Stellenkommentar und Entstehungsgeschichte
- J.W.v.Goethe: Mignon