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Mittwoch, 2. Januar 2013

2012 - Ein garantiert statistikfreier Rückblick

Wenn ich etwas unerträglich finde, dann sind dies (quantitative) Lesestatistiken, wie man sie der Tage zu Dutzenden in diversen "Buchblogs" findet. Wenn der Blogautor sein Seelenheil darin findet, der Welt zu verkünden, was für ein toller Hecht man wäre, da man die Seiten zu Tausenden gefressen habe, an diversen "Lese-Competitions" teilgenommen habe und die Zielvorgaben gleich einem kommunistischen Fünfjahresplan zielstrebig übertroffen habe, dann kann ich nur verständnislos den Kopf schütteln. Für mich ist Lesen Genuss! Und wie bei jedem Genuss kommt es mir nicht darauf an, möglichst viel in Masse zu genießen, sondern möglichst viel Genuss aus dem zu Genießenden zu ziehen. Und das kann bisweilen auch schon einmal etwas länger dauern, insbesondere, wenn man ins Nachdenken über das Gelesene kommt. Daher mein Rat an all die frustrierten Leser, die fassungslos diese wahnwitzigen Statistiken der "Vielleser" bestaunen: Um Gottes Willen nehmt euch daran bloß kein Beispiel! Lest so viel ihr wollt, so langsam ihr wollt, so oft ihr wollt. Fangt nicht an zu zählen! Bemesst die Qualität des Gelesenen und vor allen Dingen die Qualität des Lesers nicht an der Menge der konsumierten Seiten! Natürlich gibt es viel mehr zu lesen als ich oder irgendjemand sonst auf der Welt tatsächlich lesen könnte. Aus diesem Grund sind die vielen Rezensionen, die man in Blogs oder in der Presse findet auch so hilfreich. Sie helfen uns bei der Auswahl unserer Lektüre und verhindern, dass wir unsere knapp bemessene Lesezeit an "taube Nüsse" verschwenden. Daher auch in diesem Jahr ohne große Worte von meiner Seite aus eine kurze Zusammenstellung meiner "Lieblingslektüre" 2012:


Platz 1:
Stephen King
Der Anschlag
Heyne, 2011
1056 Seiten

Ich hätte nie gedacht, dass ich dass einmal zugeben müsste, aber für mich war es 2012 einfach das beste Buch, das ich gelesen habe. Großes Kino, spannend geschriebene, wohlrecherchierte und gut durchdachte Geschichte. Allen nur wärmstens zu empfehlen!
Zur Rezension im Biblionomicon.



Platz 2:
Umberto Eco
Der Friedhof in Prag
Hanser Verlag (2011)
528 Seiten


Es ist ihm noch einmal gelungen, dem Großmeister aller Verschwörungstheoretiker, ein spannendes und vor historischen Fakten nur so wimmelndes Werk zu schaffen. Allen eingeweihten und hartgesottenen Fans wärmstens ans Herz gelegt wird Eco dadurch wahrscheinlich aber nur schwerlich neue Anhänger unter der Generation iPad gewinnen können.
Zur Rezension im Biblionomicon.


Platz 3:
Günter Grass
Die Blechtrommel
dtv (1993)
784 Seiten

Große Literatur, große Sprachgewalt. Ein Meilenstein in der deutschen Literaturgeschichte von einem großartigen Erzähler!
Zur Rezension im Biblionomicon.





Platz 4:
Fredrik Sjöberg
Der Rosinenkönig - oder Von der bedingungslosen Hingabe an seltsame Passionen
Verlag Galiani Berlin (2011)
236 Seiten

In liebenswerter Detailfülle erzähltes kleines Büchlein über einen heute vergessenen bemerkenswerten Sonderling, der uns mit seiner Liebe zum Detail und seinen "Stehaufmännchenqualitäten" auch heute noch durchaus zum Vorbild gereicht.
Zur Rezension im Biblionomicon.



Platz 5:
C.H.Beck (2011)
428 Seiten

Auszüge aus einem für die Nachwelt bestimmten Tagebuch des 18. Jahrhunderts aus privilegierter Perspektive, das einem nach einigen Anfangsschwierigkeiten durchaus fesselnd in seinen Bann ziehen kann. 




Weitere Jahresrückblicke:

Dienstag, 3. Januar 2012

2011 - Ein Rückblick

'Look Back in Anger' (Blick zurück im Zorn) lautet der Titel eines alten (aber nicht minder guten) Films mit Richard Burton, in dem der große Schauspieler einen wunderbar wütenden jungen Mann verkörpert. Nein, im Zorn blicke ich nicht auf dieses Jahr zurück, in dem ich einige ganz wunderbare Bücher lesen durfte. Sollte ich mich etwas grämen, dann vielleicht nur darüber, dass ich mir nicht mehr Zeit zum Lesen genommen habe...

Hier also meine Jahresbestenliste mit den allerbesten Empfehlungen:


Platz 1:
Jonathan Littel: Die Wohlgesinnten

Sprachgewaltiger Bildungsroman über die Kriegserlebnisse eines hochgebildeten SS-Offiziers, der stets auf einem schmalen Grad zwischen der Pornografie des tatsächlich erlebten Schreckens und der Wucht einer antiken griechischen Tragödie dahinschlingert. Leser, mach Dich auf etwas gefasst. Kein leichter Stoff, aber ein überaus lesenswerter, wenn auch nicht für jedermann.
(Rezension vom 29.8.2011, 'Zwischen Pornografie und antiker Tragödie...')


Tiefgründige, leise erzählte Geschichte aus der amerikanischen Südstaatenprovinz der 1930er Jahre, in der die alltägliche Welt des Rassismus mit den Augen eines neun Jahre alten Mädchens erzählt wird, deren Vater einen unschuldig angeklagten Farbigen vor Gericht als Anwalt verteidigt. Klassiker, unbedingt zu lesen!
(Rezension vom 24.9.2011, 'Tiefgründig, anrührend und nostalgisch...')



Platz 3:
Eine Hommage und eine tiefe Verbeugung vor H.G. Wells und dem von ihm erfundenen literarischen Genre der Zeitreisegeschichten, in der nicht immer alles tatsächlich so ist, wie es zu sein scheint bzw. vorgibt zu sein. Letztendlich doch nichts anderes als eine große, aber wohldurchdachte und schön erzählte Liebesgeschichte. Ein 'Pageturner' erster Güte und auf alle Fälle eine Empfehlung für die nächste Urlaubslektüre!
(Rezension vom 5.6.2011, 'Eine Hommage an die Zeitmaschine...')


Platz 4:
Antal Szerb: Das Halsband der Königin

Die Geschichte vom größten Hofskandal des späten Anciéme Regimes um das sagenhafte Diamantenkollier Marie Antoinettes, dessen Verschwinden auch das Ende der Monarchie in Frankreich und den Vorabend der Revolution einläuten sollte. Großartig erzählte Geschichte!
(Rezension vom 14.6.2011, 'Auftakt zur Revolution...') 


Platz 5:
Charles Dickens: Das Geheimnis des Edwin Drood

Der wohl berühmteste Cliffhanger der (frühen) Kriminalgeschichte. Dickens' letzter, unvollendeter Roman, kongenial fortgeschrieben von Ulrike Leonhardt. Skurile Typen und Gestalten in Verbindung mit einer unvergleichlich schönen Sprache, stets mit einem feinen Augenzwinkern, genau das macht so viel Spaß an einem Dickens-Roman. Lesen!
(Rezension vom 28.12.2011, 'Die Mutter aller Cliffhanger...')


Natürlich gab es im vergangenen Jahr auch einige Flops, die ich an dieser Stelle nicht weiterempfehlen möchte, aber auf deren Rezension ich gerne verweise (zum Glück waren es nur zwei...):


Damit allen Lesern noch ein gesundes, erfolgreiches und spanendes Lesejahr 2012...und möglichst wenig Flops!

Dienstag, 9. August 2011

Kurzer Nachtrag in Sachen Humboldt...

Ein überaus bemerkenswertes und großartiges Geburtstagsgeschenk führte mich gestern in die Handschriftensammlung der Berliner Staatsbibliothek. Neben kostbaren tausendjährigen Manuskripten und mit höchster Kunstfertigkeit verzierten Prachtbände (dazu später mehr...) bekamen wir auch einen winzigen Teil eines bedeutenden Nachlasses zu Gesicht. Die Handschriftensammlung umfasst neben den illuminierten Prachtbänden auch die Nachlässe von Literaten, Politikern und Wissenschaftlern.

Darunter auch der komplette Nachlass Alexander von Humboldts, der, wie mir immer mehr scheint, von Daniel Kehlmann in seiner 'Vermessung der Welt' (hier im Biblionomicon 'Ein Roadtrip der besonderen Art...') treffend charakterisiert wurde.

Prof. Overgaauw als Leiter der Handschriftenabteilung erläuterte uns voller Enthusiasmus den "Vermessungswahn" Humboldts an Hand der unglaublichen Fülle an zahllosen hinterlassenen Tabellen, Zählungen und Vermessungen, alles ganz akribisch festgehalten auf tausenden von losen Blättern, eng beschrieben mit kleiner und allerkleinster schwarzer Schrift. So habe es nichts gegeben, dass Herr von Humboldt nicht auch genau gezählt und festgehalten hätte auf seinen Reisen, und sei es nur die genaue Anzahl der Schafe, die ihm am Wegesrand entgegenkamen...

Sonntag, 2. Januar 2011

2010 - Ein Rückblick

Wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann sind es diese 'Statistik-Beiträge' in sogenannten 'literarischen Blogs', in denen die selbsternannten Kritiküsse ihre Lese- und Rezensionsleistungen gleich der Übererfüllung eines vorgegebenen Jahresplans als Leistungsschau zum Besten geben. Was interessiert es mich, wieviele Bücher sich auf dem 'Stapel ungelesener aber nun doch gekaufter oder eingetauschter Bücher' befinden, wieviele Bände, Seiten, Sätze oder gar Wörter gelesen wurden. Als wäre es eine sportliche Leistung, möglichst viel zu konsumieren. Von Lesevergnügen oder Erkenntnisgewinn keine Spur.

Blicke ich zurück und blättere in meinen Blogbeiträgen, dann fällt mir auf, dass ich wieder einmal viel zu wenig Zeit zum Lesen und Genießen guter Literatur erübrigen konnte. Um so wichtiger ist es für mich, meine Zeit nicht mit 'schlechter Literatur' zu verschwenden. Aber was heist schon 'schlechte Literatur', nennen wir es lieber Literatur, die nicht nach meinem Geschmack ausfällt. Denn Geschmack, das wissen wir nur allzu gut, liegt ebenso wie die Schönheit im Auge des Betrachters und jeder hat so seine eigenen Vorlieben. Darum gilt mein Dank auch all den Blogrezensenten (und natürlich auch ihren professionellen Kollegen), die mich auf neue und interessante Literatur hingewiesen haben bzw. mich davor bewahrt haben, meine Zeit mit Unnützem zu verschwenden.

Dennoch möchte ich ein kurzes Resumé über mein Lesejahr 2010 ziehen und auf die bleibenden Lesehighlights, die ich ohne Bedenken weiterempfehlen kann, an dieser Stelle in kondensierter Form hinweisen. Hier also meine ultimativ subjektive Literaturbestenliste 2010:


Platz 1: Samuel Pepys Tagebuch. Mit Abstand das Beste, was ich seit langem gelesen habe. Hier gelingt es einem Zeitgenossen, ein lebendiges Bild aus einer weit entfernten und geschichtsträchtigen Zeit zu entwerfen, als wäre man selbst dabei gewesen. Ein üppig barockes Tagebuch eines minutiösen Chronisten seiner Zeit, der nichts hat anbrennen lassen, kein Blatt vor den Mund nimmt und uns öfters einmal einen Spiegel vors Gesicht hält. Großartig! Prächtig! Unbedingt lesen!


Platz 2: Stendhal, Die Kartause von Parma. Wirklich großes Kino! Für diesen Roman muss man etwas Zeit und Muse mitbringen, aber die ist auf alle Fälle gut investiert. Großartiger Roman in historischem Ambiente mit komplexer, aber nicht komplizierter Handlung und facettenreichen Charakteren. Lesen!





Platz 3: Alan Bradley: Flavia de Luce - Mord im Gurkenbeet. Und wenn man schon dachte, man könnte dem Kriminalroman keinen neuen und interessanten Seiten mehr abgewinnen, hier wird man nicht enttäuscht. Eine absolute Überaschung für mich, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ein äußerst kurzweiliger und liebevoll nostalgischer Kriminalroman voller Leichtigkeit aus einer ungewohnten, aber nicht minder interessanten Perspektive, der selbst mir als Kriminalroman-Banausen viel Freude bereitet hat. Lesen!


Natürlich gab es auch 2010 einige große Erwartungen, die leider enttäuscht wurden. Diesen möchte ich an dieser Stelle aber nicht von Neuem unnötig Raum bieten und verweise auf die Blogeinträge des letzten Jahres. Hoffen wir, dass auch 2011 wieder einige Lesehighlights bieten wird. Ich bin schon einmal gespannt :)

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Literarisches Jahresend-Stöckchen

Das Jahresende ist eben doch immer wieder eine gute Gelegenheit ein Resumé zu ziehen, so auch über mein Lesejahr 2009. Und wie zu jeder Gelegenheit gibt es auf für diese das passende Stöckchen von BuchSaiten, das ich hier dazu aufgreifen möchte:

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)


Ich wusste nicht genau, worauf ich mich bei diesem Buch einließ. Zwar prophezeite mir meine Liebste bereits, dass mir das Buch bestimmt gefallen würde, aber ich hatte so meine Zweifel. Aber Muriel Barberys "Die Eleganz des Igels" hat wirklich einen tiefen Eindruck in mir hinterlassen und es war eines der besten Bücher, die ich in diesem jahr gelesen (und rezensiert) habe.

Muriel Barbery gelingt mit der detailverliebten Darstellung ihrer Charaktere mit all ihren Ecken und Kanten sowie den zahlreichen Ausflügen in das Reich der Hochkultur und Philosophie ein wahres Meisterwerk!

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)


Da hatte ich mir bei Michael Schneiders "Das Geheimnis des Cagliostro" einen spannenden historischen Roman mit zahlreichen dokumentarischen, historischen und bibliografischen Querverweisen erwartet und wurde dann doch aber nur mit mit einer durchschnittlich (platten) Geschichte abgespeist (siehe Rezension), deren historische Querverweise sich nur mit der Lupe suchen lassen und deren Charaktere aus einem Groschenroman stammen könnten. Es erscheinen aktuell eben viel zu viele dieser Pseudo-historischen Romane, die allesamt nicht an die großen Vorbilder ala Feuchtwanger, Umberto Eco oder Ranke-Graves heranreichen...


Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Ganz eindeutig Alberto Manguel. Auch wenn es sich dabei NUR um ein Sachbuch handelte, war ich doch während der kompletten Lektüre der "Geschichte des Lesens" von vorne bis hinten fasziniert von der unterhaltsamen aber doch exakten und liebevoll gestalteten sprachlichen Ausdrucksweise dieses "Königs der Leser", so dass ich es kaum erwarten kann, in Zukunft noch mehr von ihm zu lesen (siehe Rezension).

Natürlich muss ich hier auch noch einmal Muriel Barbery (siehe oben) erwähnen, deren Sprachgewalt (und das liegt mit Sicherheit auch vorallem an ihrem Übersetzer) mich sehr beeindruckt hat.


Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?


Katharina Hagena "Der Geschmack von Apfelkernen"...weil es einfach schön ist :)

Sonntag, 29. November 2009

Die einzige Beständigkeit liegt im Wandel - wie schaffe ich mehr Platz in meinem Bücherregal

Das hier ist also das gute Stück, um das es im heutigen Beitrag geht. Natürlich geht es nicht um das Regal, sondern vielmehr um dessen Inhalt: mehr als 450 antiquarische und z.T. neuwertige (gelesene und auch ungelesene) Bücher, startend mit den ältesten erschienen um 1880 bis hin zu aktuellen Ausgaben. Da der Platz für andere, sich immer noch stapelnde Bücher dringend benötigt wird und da die betreffenden Bücher auch einen gewissen Wert repräsentieren, habe ich mich entschlossen, sie alle (einzeln) bei booklooker.de zum Verkauf anzubieten. Bei den Preisen habe ich mich in der Regel an den günstigsten Angeboten bei ZVAB orientiert und bin meist noch ein Stückchen darunter gegangen.

Und da ich die Bücher auch zügig verkaufen möchte, mache ich hier im biblionomicon ein wenig Werbung dafür, d.h. jeder, der eines der Bücher, die ich bei booklooker eingestellt habe, kaufen möchte, erhält per se schon einmal generelle 10% Rabatt auf den bei booklooker ausgewiesenen Preis (Hinweis bzw. Anfrage via E-Mail reicht aus).

Da man trotz der Größe des Fotos natürlich nicht allzuviel erkennen kann, hier einige thematisch zusammengestellte Angebotslisten aus booklooker:

Montag, 24. August 2009

"Die waren schon dicke miteinander" - zur Freundschaft zwischen Schiller und Goethe

Im Feuilleton der ZEIT fand ich in der vergangenen Woche ein sehr schönes Interview mit Rüdiger Safranski über dessen neues Buch zur berühmtesten aller Dichterfreundschaften zwischen Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe (auch nachzulesen in der ZEIT, Nr. 34/2009, S. 35 f.).

Als Ex-Wahl-Weimarer habe natürlich auch ich ein ganz besonderes Verhältnis zu unseren beiden "Lokalhelden", die in trauter Zweisamkeit vereint vor dem Nationaltheater in Weimar stehen. Zwar war es Goethe, der sich für Schiller einsetzte, damit er seine Geschichtsprofessur in Jena bekam (obwohl das Thema natürlich nicht gerade der Schwerpunkt des Schillerschen Schaffens war), aber von einer Freundschaft zwischen diesen beiden Literaturgiganten konnte noch lange keine Rede sein. Vielmehr gingen sie sich deutlich aus dem Weg -- und das über mehrere Jahre.

In der ZEIT ist nachzulesen, dass es erst der Initiative einer Frau bedurfte -- Charlotte von Lengenfeld, Schillers spätere Gattin -- damit sich die beiden auch tatsächlich 1788 in deren Familienhaus trafen und 'fanden'. Allerdings wurde mir die Anekdote um dieses 'erste Treffen' bei einer Stadtführung in Jena ganz anders geschildert:

Schiller soll Goethe auf einem Spaziergang unter dem Jenaer "Schnapphans" angesprochen haben, wo sich zwischen den beiden dann auch tatsächlich das erste längere Gespräch entwickelte. Das ganze soll unter den wachsamen Augen der Humboldt-Brüder stattgefunden haben, die in einem Haus der betreffenden Jenaer Gasse in der Belle-Etage residierten. Mit den Worten "Na endlich reden sie miteinander" soll der eine Bruder den anderen herbeigerufen haben ... und das war der Beginn einer "wunderbaren Freundschaft".


Einen ganz anderen Weg zur Freundschaft der beiden kann man in Robert Löhrs 'Das Erlkönig Manöver' nachlesen, das bereits hier im Blog an anderer Stelle (Geheimrat als Geheimagent) besprochen wurde. Alexander v. Humboldt mischt darin übrigens auch mit, neben Kleist, Bettina von Arnim und anderen bekannten Literaten.

Links:

Dienstag, 18. August 2009

Zum Thema "Mainstream"

Zum Thema Mainstream oder "Massengeschmack" kann und konnte man schon immer geteilter Meinung sein, und das nicht erst seit Dieter Bohlen. Bereits im Altertum sprach Seneca die "Krone der Weisheit" dagegen einer gelehrten Minderheit und äußerte sich recht verächtlich über die Meinung der Mehrheit...

"Die Mehrheit sollte sich nach den Besten richten, statt dessen erwählt sich der Pöbel die Schlechtesten....Nichts ist verderblicher, als auf die Menge zu hören, für recht zu halten, was die meisten denken, und sich das Verhalten der Masse zum Vorbild nehmen, die nicht nach dem Verstande lebt, sondern nur danach strebt, es anderen gleich zu tun."

[aus Seneca, Vom glücklichen Leben (De vita beata)]

Ebenso der englische Kulturkritiker John Carey, der das Verhältnis der Intellektuellen zur Masse untersuchte:

"Angesichts der Menschenmengen, von denen der einzelne umgeben ist, ist es praktisch unmöglich, allen eine Individualität zuzubilligen, die der eigenen gleichwertig ist. Die Masse als eine reduktionistische und abweisende Vorstellung wurde erfunden, um dieser Schwierigkeit zu entgehen..."

[aus John Carey: The Intellectuals and the Masses. Pride and Prejudice among the Literarry Intelligentsia, 1880-1939, zitiert nach Alberto Manguel: Die Geschichte des Lesens]

Freitag, 31. Oktober 2008

Das Ende der Buchkultur....

...meine erste Woche mit dem Bookeen Cybook. Das also soll es sein, das von den Buchverlagen so gerne beschworene 'Ende des gedruckten Buches'...?

Vergangene Woche bekam ich leihweise ein Bookeen Cybook übereignet, um es mir einmal 'genauer anzusehen'. Was ein eBook Reader ist, darüber brauche ich mich hier ja nicht weiter verbreiten. Denn spätestens seit der Frankfurter Buchmesse vor 14 Tagen weiss jeder Tagesschau-Zuschauer bzw. Zeitungsleser ja Bescheid darüber, dass es das gedruckte Wort schon allzubald wohl nicht mehr auf Papier gedruckt zu sehen geben wird....

Quatsch! Bücher wird es immer geben. Ob es natürlich auch bis in alle Ewigkeit bei den derzeit hohen Auflagenzahlen bleiben wird, das steht auf einem anderen Blatt geschrieben. 'Gebrauchs-Literatur' ist ja oftmals nicht das Papier wert, auf der sie gedruckt wird. Warum also überhaupt drucken? Aber diese Debatte über den drohenden Zusammenbruch der abendländischen Kultur möchte ich gerne auf einen späteren Zeitpunkt verschieben und über meine Erfahrungen mit dem neuen Lesegerät berichten.

Mein erster Eindruck: Hmm...sieht eher aus wie ein zu groß geratener Taschenrechner ohne Tasten. Schwarzes Plastik, hellgraues Display, eine große Taste mit 4 Cursor-Tasten auf der Frontseite, an den Seiten jeweils 2+4 Mikrotasten für diverse Funktionen. Warum müssen diese Teile immer so verdammt 'technisch' aussehen und überhaupt.....macht sich denn in den Entwicklungslabors kein Mensch Gedanken um gutes und funktionales Design? Muss erst wieder Apple kommen, um ein akzeptables 'iBook' auf den Markt zu bringen?

Also.....Anschalten: Das Teil bootet recht behäbig. Nach gut 30 Sekunden steht das Menü, eingeteilt in verschiedene Seiten, in dem ich mir meine Lektüre aussuchen soll. Die elektronische Tinte (e-Ink) ist technologisch gesehen eine tolle Sache, aber vom Benutzerstandpunkt aus betrachtet etwas gewöhnungsbedürftig, da zäh. Seitenwechsel inklusive Bildaufbau dauern schon mal ein paar Sekunden. Das Display ist nicht allzu groß, also versuche ich durch Anpassung der Schriftgröße mehr Text auf den Bildschirm zu bringen, bis es für die Augen zu anstrengend wird. Insgesamt erweckt so eine Buchseite auf dem eBook den Eindruck, als wäre sie mit einem billigen Nadeldrucker aus den 80er Jahren ausgedruckt worden. Zudem sollte man das eBook stets bei hinreichend guter Beleuchtung lesen. Mangels Eigenbeleuchtung und schlechtem Kontrast wird sonst das Lesen bei schummriger Umgebungsausleuchtung zur Qual. Naja, wir werden sehen, ob man sich bei längerer Lektüre an diese Gegebenheiten gewöhnt.

Ein weiteres Problem liegt in der bestehenden Formatvielfalt der eigentlichen Lektüre. Warum mussten hier wieder alle Hersteller ein eigenes Format 'erfinden'? Immerhin verdaut das Bookeen CyBook das verbreitete MobiPocket-Datenformat (muss ich eigentlich erwähnen, dass die mItgelieferte Software NUR unter Windows läuft...? Zum Glück habe ich nach kurzer Recherche für den Mac das freie eBook-Reader Programm 'stanza' finden können). Ein Kaufargument mag für viele sein, dass auch PDF-Dateien auf dem eBook dargestellt werden können. Allerdings muss man hier einige Abstriche machen. In der mitgelieferten Betriebssystemversion des CyBook können PDF-Dateien nicht vergrößert werden. Zudem dauert das Öffnen und Umblättern einer etwa 15MB großen PDF-Datei jeweils 5-10 Sekunden, was nicht wirklich das Lesevergnügen fördert. Um das Betriebssystem aufzurüsten, kann man sich auf der Bookeen Website ein Upgrade herunterladen, allerdings muss dieses für den Upgrade-Vorgang zuvor auf eine (nicht mitgelieferte) SD-Card überspielt werden...). Das Upgrade verspricht besseres PDF-Handling und ich werde -- sobald ich eine SD-Card aufgetrieben habe -- darüber berichten.

Als ultimativen Test habe ich mir ein englisches eBook von Michael Crichton ausgesucht: 'The Great Train Robbery'. Abgesehen von der literarischen Qualität des Buches werde ich hier weiter über meine Leseerfahrungen mit dem eBook berichten.

Mein bisheriges Fazit: Das Abendland und mit ihm die Buchkultur müssen JETZT noch nicht untergehen!

Dienstag, 23. Oktober 2007

So schön wie nie zuvor - Zur Wiedereröffnung der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar

Morgen, am 24. Oktober 2007, dem Geburtstag ihrer Namenspatronin (dem 268. Geburtstag...), wird die Weimarer Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek feierlich wiedereröffnet. Der weltberühmte Rokoko-Saal erstrahlt in einem Glanz wieder, wie wohl nie zuvor seit seinem gut 200 jährigen Bestehen. Musste die Bibliothek erst niederbrennen, bevor sie in neuem Glanz erstrahlen kann....so fragt die ZEIT in einem Artikel vom 18.10.2007?
Drei Jahre sind vergangen, seit dem verherenden Brand, bei dem die Bibliothek und 60.000 ihrer Bücher schwer beschädigt wurden. 16.000 Bücher konnten bislang wieder hergestellt werden, aber um alle beschädigten Bücher wieder restaurieren bzw. wiederbeschaffen zu können, veranschlagen die Verantwortlichen bis zu 30 Jahre. Alleine 12,8 Millionen Euro hat die Renovierung und Wiederherstellung des Bibliothekgebäudes verschlungen, noch einmal 67 Millionen Euro sind für die Bücher von Nöten. Zwar gingen bislang über 17 Millionen Euro an Spenden ein, aber die Geldquelle drohen langsam zu versiegen.

Morgen ist es also soweit, und das Bibliotheksgebäude wird wiedereröffnet. Leider bin ich derzeit in Potsdam und kann der Veranstaltung nicht beiwohnen. Den neuen Rokoko-Saal hätte ich schon gerne mal in neuem Glanz bewundert. Aber das kann ich ja noch nachholen. Für alle die, die auch nicht dabei sein können, gibt es hier auf den Web-Seiten der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek einen virtuellen 3D-Rundgang, der die Bibliothek in all ihrer Schönheit vor dem Brand....als auch nach dem verheerenden Brand zeigt. Die Feierlichkeiten rund um die Wiedereröffnung stellt damit den Höhepunkt des Anna-Amalia-Jahres 2007, dem 200. Todestages der Herzogin, dar. Den Auftakt der Festwochen macht die Ausstellung "Candida Höfer: Weimarer Räume". Candida Höfer hatte 2004 vor dem Feuer den Rokokosaal fotografiert, der als einer der schönsten Bibliotheksräume in Mitteleuropa gilt.


Wenn man denn schon mal in Weimar ist und sich für die Bibliothek interressiert, sollte man sich auf alle Fälle auch den Bibliothekserweiterungsbau am Burgplatz 4 einmal ansehen. Der Bücherkubus mit seinen 100.000 Bänden der Freihandbibliothek bildet einen treffenden modernen Kontrast zum klassischen Rokoko-Saal.








siehe auch:

  1. "Von der Vergänglichkeit des gedruckten Wortes", in Biblionomicon vom 03.09.2007.

  2. Ch. Simes: "Musste sie erst brennen...?", die ZEIT, 18.10.2007

  3. E. von Tadden: Klassische Schönheit, Die ZEIT, 18.10.2007.

  4. M. Knoche: Eine Forschungsbibliothek des 21. Jahrhunderts - Die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, Bibliothek 27. 2003. Nr. 1/2.


Samstag, 29. September 2007

Särge in Leinen und Leder - Reclam vs. Werksausgabe

Unglaublich, aber ich hänge einmal wieder 2 Wochen hinter der aktuellen Ausgabe der ZEIT zurück. Aber besser zu spät als nie. Ulrich Greiner beschreibt in seiner den Literaturteil einleitenden Glosse 'Särge in Leinen und Leder' (Die ZEIT, 38/2007) das 'Drama' der deutschen Gesamtausgaben. Kein deutscher Dichter und Autor (zum Teil auch schon die lebenden) ohne -- mitunter historisch-kritisch kommentierter -- Gesamtausgabe seiner Werke. Sie sind -- so Greiner -- der ganze Stolz ihrer Herausgeber, Verleger, aber auch Besitzer. Allerdings eignen sie sich nicht unbedingt als leichte Reiselektüre oder Reclamheftersatz für die Schullektüre der Tochter.

Zwiespältige Sache, aber im Bücherschrank macht sich das Prunkstück natürlich recht gut aus. Doch -- und das scheint das Schicksal der meisten Gesamtausgaben -- dient sie Zeit ihres Lebens doch eher als Repräsentations- und Dekorationsobjekt (siehe Möbelhäuser, Stichwort 'hohle' Gesamtausgaben), denn als Lektüre. Druckfrische Gesamtausgaben -- ebenso wie besonders prächtig ausgestattete -- haben in der Regel ihren (nicht zu unterschätzenden) Preis. Daher stammt eventuell wohl auch die Scheu, die Wertanlage durch häufiges Lesen zu 'zerlesen'. Ich würde auf alle Fälle einer Tochter den Band aus Lessings in Leder gebundener Gesamtausgabe (wohlmöglich noch mit Goldschnitt, etc.) nicht als Schullektüre mit auf den Weg geben. Erinnern wir uns doch mal an unsere Schullektüren. Die ganz vorsichtigen Zeitgenossen unter uns unterstrichen und kommentierten diese lediglich mit Bleistift. Aber welche Blüten die oft im Deutschunterricht gepflegte Langeweile treibt, zeigen die folgenden Cover-Kunstwerke aus dem Deutschunterricht aus der Ausstellung "Von Theodor Fontane zu Theodors Fontäne" (aus der Frankfurter Rundschau).

Andererseits, wer nicht unbedingt die aktuellste (historisch kritisch kommentierte) Gesamtausgabe eines (am besten schon verblichenen) Autors erwerben möchte, um diese tatsächlich zu lesen, dem sei -- wenn er seine Geldbörse schonen möchte und eventuell auch keine Bedenken gegenüber (ideologisch unbelasteter) Frakturschrift hat -- die Kategorie 'Bücher - Buchpakete, Werkausgaben, etc.' bei Ebay anempfohlen. Sicher, eine derzeit noch im Handel befindliche Gesamtausgabe wird auch nicht bei Ebay automatisch zum Schnäppchen. Gibt man sich aber mit einer zwischen 1900 und 1950 erschienenen Ausgabe zufrieden (wobei dann natürlich die noch lebenden Autoren ausscheiden müssen), gelingt es einem leicht, eine günstige Gesamtausgabe zu erwerben. Oftmals sind dann dabei die Portokosten höher als der Auktionspreis ;-)

Naja...ist das gute Stück erst einmal erworben, dann sollte es denn auch gelesen werden. Denn als Repräsentations- und Dekorationsobjekt sind Bücher doch viel zu schade...und das wissen auch die Möbelhäuser, denn dort sind die Dekostücke -- wie schon bemerkt -- innen hohl....

Montag, 17. September 2007

Edgar Allan Poe: Das verräterische Herz

Schon immer haben mich die Geschichten von Edgar Allan Poe fasziniert. Schon als Kind, als ich sie noch gar nicht selbst gelesen hatte. Interessanterweise kam ich zu Poe über das Plattenregal im Kaufhaus. Dort stand nämlich ein überaus interessantes Album...ja, damals gab es noch 'Langspielplatten' (LPs) und anstelle des kleinen 'CD-Booklet' (in Zeiten von iTunes sicher auch bald nur noch eine schattenhafte Erinnerung...) war deren Verpackung oft wesentlich aufwändiger gearbeitet. So manches Album konnte man aufklappen und durchblättern. So auch dieses von 'The Alan Parsons Project' mit dem Namen 'Tales of Mystery and Imagination' (natürlich in Anlehnung an die Geschichten von Poe...übrigens ist dort Orson Welles zu hören, wie er Poe rezitiert...). Was mich daran faszinierte war weniger die Musik als die Fotos und die literarischen Referenzen im 'Album-Booklet', die allesamt auf berühmte Poe-Geschichten verwiesen. Auf alle Fälle für mich ein Glücksgriff, da ich daraufhin unsere Stadtbücherei nach allem auffindbaren Gedruckten von Edgar Allan Poe durchpflügte...

Das verräterische Herz ist dabei eine überaus spannende und emotional mitreisende Geschichte. Der Ich-Erzähler erzählt uns von einem Mord an einem alten Mann und wie er die Leichenteile -- insbesondere das Herz -- unter den Dielen des Hauses versteckt. Als die Polizei eintrifft, um Erkundigungen über ein eventuell begangenes Verbrechen einzuholen, kommt es zur Katastrophe....

Eine der eindringlichsten Geschichten Poes, die es auch schon als One-Man-Show im Theater zu sehen gab, und die auch als Hörbuch sehr zu empfehlen ist (insbesondere die in der Originalversion vorliegende 'Edgar Allan Poe Collection' [siehe unten] mit den beiden grandiosen wie genialen Sprechern Basil Rathbone und Vincent Price [der auch in zahlreichen Poe-Verfilmungen von Roger Corman gespielt hat]).

Der Grund, warum ich diese Geschichte heute als erste aufgreife, ist ein Foto-Projekt zum Thema Poe, das ich zusammen mit Anja im Oktober vergangenen Jahres begonnen habe. Es geht darum, die Geschichten Poes in Szene zu setzen. Aber natürlich nicht nur irgendwie... ;-) Die Idee dahinter ist die folgende: Nehmen wir das 'Verräterische Herz'. Der Ich-Erzähler wird von allen immer als 'männlich' gesehen, da die Geschichte ja auch von einem Mann geschrieben wurde. Aber das muss nicht so sein. Warum nicht einmal -- neben Poes bekannten Frauenfiguren -- auch die anderen Geschichten mit Frauen als Protagonisten umsetzen...? So geschehen mit der ersten Geschichte 'The Tell-Tale Heart' im August mit unserem Model Sara, die es verstand, trotz der Widrigkeiten (ein 2 kg Rinderherz, jede Menge Filmblut....und schließlich auch noch eine Blasenentzündung), die Stimmung congenial umzusetzen (siehe Foto).
...Wer mich auch jetzt noch für wahnsinnig hält, wird den Gedanken endgültig aufgeben müssen, wenn ich ihm erzähle, mit welch weiser Vorsicht ich den Körper verbarg. Die Nacht begann zu schwinden, und ich arbeitete in schweigender Hast...
Weitere interessante Kurzgeschichten stehen noch auf dem Programm und ich werde berichten....

Links:

  1. E. A. Poe: Das verräterische Herz in deutscher Übersetzung bei Projekt gutenberg.de

  2. E. A. Poe: The Tell-Tale Heart im Original

  3. The Tell-Tale Heart im 'The Poe Decoder' inkl. Interpretation, Materialien, weiterführender Literatur...


Commercial Links:

Sonntag, 9. September 2007

Bibliotheken als Kathedralen des Wissens

Im vorangegangenen Beitrag stand der verherende Brand der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek mit ihrem weltberühmten dreigeschossigen Rokokosaal vor drei Jahren im Mittelpunkt. Aber rund um den Globus existieren zahlreiche weitere 'Büchertempel' in denen der bibliophilen und bibliothekarischen Leidenschaft Tribut gezollt wird. Im 'Librophiliac Love Letter' wurde eine ganze Foto-Galerie wunderschöner alter Bibliotheksbauten zusammengetragen, die einen ins Schwärmen geraten lassen.

Auch wenn ich nur die wenigsten dieser 'Kathedralen des Wissens' mit eigenen Augen gesehen habe, stehen sie doch als 'must-see' auf alle Fälle auf dem Besuchsprogramm, sollte es mich in einen der genannten Orte verschlagen...

Suzallo Library, Seattle, Washington

Biblioteca di Belle Arti Milano

Trinity College Library,
aka 'The Long Room', Dublin, Ireland
Biblioteca Geral de Universidade de Coimbra, Coimbra, Portugal

weitere Links:
  1. Das Buch und sein Haus - Mitteleuropäische Bibliotheksbauten von von Engelbert Plassmann, Christoph Seelbach und Philipp Mayr
  2. Ein Bildband der Fotografin Candida Höfer zum Thema BIBLIOTHEKEN (das Ganze auch noch garniert mit einem Vorwort von Umberto Eco):
    Candida Höfer, Umberto Eco: Bibliotheken, Schirmer/Mosel (2007), 272 Seiten (2009)
Kleiner Nachtrag:
Herzogin Anna Amalia Bibliothek,
Weimar (Foto: Bundesarchiv)
Am 24. Oktober 2007 wurde das historische Bibliotheksgebäude der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek, das seit dem Brand am 2. September 2004 restauriert und neu eingerichtet wurde, wieder eröffnet. Zugleich stand der berühmte Rokokosaal ab Dezember 2007 wieder zur regelmäßigen Besichtigung offen. Bis allerdings die beschädigten Bücher restauriert bzw. wiederbeschafft werden können, soll es noch 30 Jahre dauern...

'Über die Vergänglichkeit des gedruckten Wortes', zum Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, aus dem Biblionomicon (03.09.2007)

Montag, 3. September 2007

Über die Vergänglichkeit des gedruckten Wortes...

Fast genau auf den Tag ist es jetzt drei Jahre her, dass am 2. September 2004 die Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar gebrannt hat. Es war ein lauer, spätsommerlicher Abend. Ich saß im Arbeitszimmer und habe an irgend einem Text gearbeitet, als ich einen Feuerwehr-Löschzug nach dem anderen durch die Stadt jagen hörte. Aber erfahren vom Brand habe ich erst durch Freunde am darauf folgenden Morgen, als Asche und halbverbrannte Blätter vom Wind in die Gärten geweht wurden. Eine der schönsten Bibliotheken der Welt und mit ihr zahlreiche Ölgemälde und über 50.000 Bücher sind im größten Bibliotheksbrand (in Deutschland) nach dem zweiten Weltkrieg verbrannt oder beschädigt worden. Zusätzlich kommen noch durch die Löschaktion verursachte Wasserschäden (34000 Bände mit Wasser- und Hitzeschäden, 28000 Bände mit Brandschäden, 46000 mit Ruß- und Rauchschäden...).

Just diesen Tag hat eine Allianz von mehr als 40 Bibliotheken jetzt zum »1. Nationalen Aktionstag zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts« ausgerufen. Doch nicht nur Feuer wird den Archivbeständen gefährlich. Vielmehr sind es Schimmel, Rost, Schädlinge, Säurefraß und andere chemische Vorgänge, die dafür sorgen, dass Schriftträger wie Papier oder aber auch neuerdings Datenträger (die zusätzlich auch noch von einer anderen Art der 'technologischen Amnesie' betroffen sind) dem 'Zahn der Zeit' zum Opfer fallen.

Bibliotheken seien -- so Goethe -- »Schatzkammern des Geistes« und ein »Capital, das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet«. Daher sollten wir dieses Kapital bewahren und dafür Sorge tragen, dass wir nicht eines Morgens aufwachen und mit leeren Taschen dastehen....

siehe auch:

Donnerstag, 30. August 2007

Famous First Words....

Vor einiger Zeit fand ich bei 'DIE ZEIT' (zum Glück steht das in Anführungszeichen...sonst wäre mir ein Platz bei Zwiebelfisch gewiss) ein elektronisches Quiz, das den Grad der literarischen Bildung (also die 'Belesenheit') testen sollte. Dazu werden der Testperson 22 Romananfänge in Form des jeweils ersten Satzes des betreffenden Romans präsentiert und es musste unter verschiedenen Alternativen der passende Roman dazu ausgewählt werden.
-> hier gehts zum ZEIT-Quiz

O.k. ... natürlich hat der erste Satz eines jeden Werkes eine besondere Bedeutung. Jeder Autor fängt nicht einfach an zu schreiben. Nein, meines Erachtens sind die ersten Sätze stets wohlüberlegt und wohlgewählt -- daher auch oft prägnant und populär.
Zumindest kennt doch jeder (Leser) die folgende Situation. Man steht in der Buchhandlung, in den Händen das Buch, von dem man irgendwo schon einmal gehört/gelesen hat bzw. das einem gerade ins Auge gefallen ist. Wie findet man etwas darüber heraus? Der Klappentext: in verkürzter Form wird hier eine Art plakativer 'Appetizer' abgefeuert, der einem den Mund wässrig machen soll und Lust auf das Lesen (respektive Kaufen) wecken soll. Naja ... natürlich kann man auf diese Weise etwas über das Thema und die (oftmals stereotypen) handelnden Figuren erfahren, aber einen richtigen Vorgeschmack gewinnt man damit noch lange nicht. Also......reinlesen. Manch einer schlägt zu diesem Zweck das Buch einfach mal in der Mitte auf und liest einige Absätze. Zugegebenermassen kann man dabei auch die langweiligste Stelle des Buches erwischen. Allerdings gewinnt man dennoch einen Eindruck vom Sprachgefühl des Autors (kann man es lesen / ist es zu flach / bleibt man ständig hängen / etc.).

Kompromiss: Der Anfang! Hier versucht der Autor den Leser zu fesseln und fährt gleich starkes Geschütz auf. Schließlich heist es ja 'dranbleiben' und lesen. Liest man den Anfang (also am besten gleich einige Seiten) des Romans bekommt man (a) einen Eindruck von den sprachlichen Fähigkeiten des Autors und (b) vom dramaturigischen Geschick des selben.
Der erste Satz selbst, der ist 'für die Ewigkeit' (zumindest kann er das sein, insofern er bei kulturellen Meilensteinen sogar zum geflügelten Wort avancieren kann).

Kommen wir auf das Quiz der ZEIT zurück. Leider -- so muss ich zu meiner Schande gestehen -- habe ich nur gut die Hälfte der dort abgefragten Romane gelesen. Und selbst bei den gelesenen konnte ich nicht immer eine korrekte Zuordnung treffen. BTW, der mir geläufigste Erstsatz aus dem Quiz war 'Nennt mich Ismael'....

Manchmal braucht es aber auch mehr als nur einen Satz....und manchmal wäre für ein solches Quiz der erste Satz auch zu verräterisch, da er den Titel bereits enthält. Daher war wohl auch der folgende außen vor (der mich, als ich ihn in einer Buchhandlung das erste Mal las, erst einmal tief Luft holen ließ...):
"Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo. Li. Ta.
Sie war Lo, einfach Lo am Morgen, wenn sie vier Fuß zehn groß in einem Söckchen dastand. Sie war Lola in Hosen. Sie war Dolores auf amtlichen Formularen. In meinen Armen aber war sie immer Lolita."


Links:

  1. englische Version des Quiz 'Famous Opening Lines' bei Microsoft Encarta
  2. Literatur in der ZEIT

  3. Vladimir Nabokovs 'Lolita' in der englisch-sprachigen Wikipedia

  4. 'Nennt mich Ismael' -- der Anfang von Herman Melvilles 'Moby Dick'



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Dienstag, 28. August 2007

Mehr Licht.... - Goethe hat Geburtstag


Johann Wolfgang von Goethe, Dichter, Theaterleiter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann, der bekannteste Vertreter der Weimarer Klassik feiert heute (28. August 2007) seinen 258. Geburtstag (zudem in seinem 175. Todesjahr). 


Grund genug für mich als 'Wahl-Weimarer' (Achtung, bloß nicht verwechseln: es heist nicht 'Weimaraner', denn das wäre die bekannte Hunderasse...) mich heute kurz dem Jubeltag unseres lokalen Dichterfürsten (der ja eigentlich aus Frankfurt kam) zu widmen. In Weimar stolpert ja man quasi bei jedem Schritt über etwaige Hinterlassenschaften des Gleichnamigen. Vom Goethe-Wohnhaus am Frauenplan über das Goethe-Gartenhaus im Ilmpark (von dem im Kulturhauptstadtjahr tatsächlich eine zusätzliche exakte Kopie angefertigt worden ist, da man befürchtete, das über 200 Jahre alte Original könnte die Besuchermassen nicht verkraften...wo steht die heute überhaupt??), Goethe hier und Goethe da. Selbst an einem Restaurant, das Goethe NICHT zu Lebzeiten besucht hat steht auf einer Tafel zu lesen: 'Goethe hat hier zwar nicht gegessen, das Bier schmeckt aber trotzdem'. Gibt es 'Goethe' eigentlich schon als eingetragenes Markenzeichen?

Meine erste Begegnung mit Goethe fand vor langer Zeit im deutschen Fernsehen (zu einer Zeit als es tatsächlich nur 3 Programme gab) statt. Friedrich Wilhelm Murnaus genialer Stummfilm 'Faust - eine deutsche Volkssage' weckte das Interesse an diesem phantastischen Stoff des 'Dr. Faustus' und seinem 'Erfinder'. Dabei -- und ich war ziemlich enttäuscht das zu erfahren -- stammte der Sagenstoff gar nicht von Goethe selbst sondern geht auf alte Volkssagen zurück. Zudem soll Goethe in seiner Jugend bereits Christopher Marlowes Dramatisierung des Dr. Faustus selbst im Theater gesehen (und sich ihrer bedient) haben (BTW, erfolgreich den Bogen zu Christopher Marlowe geschlagen ;-) wir haben im Urlaub das Hörbuch zu Leslie Silberts 'Marlowe-Code' gerhört...Rezension folgt). In der Schule musste ich mich -- wie sicher viele andere auch -- mit Goethes Gedichten aus 'Sturm und Drang' und 'Klassik' auseinandersetzen (Bedecke Deinen Himmel Zeus, mit Wolkendunst....). Mit Goethes Allzeit-Bestseller 'Werther' konnte ich mich lange nicht anfreunden. Zu getragen und aufgesetzt empfand ich dessen überschwängliche Gefühlswallungen (und zu dämlich sein selbstgewähltes Ende). Aber eigentlich ist der in wunderbarer Briefform geschriebene Roman wirklich ein 'großer Wurf'. In jungen Jahren konnte ich mich nicht in das Gefühlsleben des in etwa gleichaltrigen Werthers hineinversetzen. Zu verschieden und zu weit entfernt sind die Umstände der Zeit. Im vergangenen Jahr erlebte ich eine ausschnittsweise Lesung des Romans von und mit Andre Eisermann. Wirklich, der Mann versteht sein Handwerk. Nachhaltig bin ich von seinem Vortrag (und daher auch vom Werther) begeistert! Natürlich sollte an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass vor einigen Wochen Ulrich Plenzdorf, der Schöpfer der 'Neuen Leiden des jungen W.' (a.k.a. der 'rote' Werther, "Jeans sind eine Einstellung und keine Hosen...") gestorben ist.

Nun denn, auch wenn Goethe und Schiller vor dem Weimarer Nationaltheater (...genau genommen ja vor dem Stumpf einer deutschen Eiche, die man auf der Rückseite des Denkmals bewundern kann...) derzeit aufgrund von Instandsetzungsarbeiten à la Christo verhüllt bleiben müssen (Foto folgt....was machen nun eigentlich all die Touristen, die sich sonst immer vor den beiden ablichten lassen), warten wir geduldig auf das nächste Jubiläum. 2009 feiert Friedrich Schiller seinen 250. ...

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