Mittwoch, 28. November 2012

In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm....

Es ist einer DER Klassiker, wenn es um das Thema "gelangweilte Ehefrau hat eine Affaire, die sie noch bereuen wird" geht. Doch während Flauberts 'Madame Bovary' keinen Ausweg aus ihrem Dilemma mehr sieht und sich selbst mit Gift das Leben nimmt, steht Fontanes Titelheldin 'Effie Briest' dem Leben weitaus positiver gegenüber. Aber auch Fontane ist noch gebunden in den Zwängen seiner Zeit und gibt dem Roman ein etwas moralinsaures Ende. Tatsächlich soll ein aus Liebe und Eifersucht heraus geführtes Pistolenduell auf der Berliner Hasenheide, in dem sich am 27. November 1886 Richter Emil Hartwich und Baron Armand Léon von Ardenne gegenüberstanden, die Vorlage zu Fontanes Roman geliefert haben nach einer Affäre Hartwichs mit Ardennes Ehefrau Elisabeth. Richter Hartwich starb am 1. Dezember an den Folgen der im Duell erlittenen Schusswunde. Man mag von Fontane halten was man will, Hauptsache, man setzt sich einmal mit ihm auseinander und bildet sich seine eigene Meinung, da er ein Fenster in dieses ferne 19. Jahrhundert öffnet, das uns heute trotz unenthaltsamer Medienberieselung so fremd geworden ist. Ein guter Freund nannte Fontane auch schon einmal den "am meisten überschätzten deutschen Autor", aber seine Effie Briest ist wirklich einer der Romane, die man kennen sollte. Alleine schon der erste Satz zeigt, dass Fontane alles andere als ein 'Action'-Schriftsteller war, sondern sich viel Zeit ließ - manchmal für meinen Geschmack auch ein wenig zu viel - um die Szenerie eingehend exakt, mitunter auch für den Fortgang der Geschichte viel zu detailliert, zu schildern...

"In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstraße, während nach der Park- und Gartenseite hin ein rechtwinklig angebauter Seitenflügel einen breiten Schatten erst auf einen weiß und grün quadrierten Fliesengang und dann über diesen hinaus auf ein großes, in seiner Mitte mit einer Sonnenuhr und an seinem Rande mit Canna indica und Rhabarberstauden besetzten Rondell warf. "

Theodor Fontane, Effie Briest, Erstausgabe 1896,

1 Kommentar:

Kathi Fromme hat gesagt…

Lustig, ich vor ein paar Wochen erst den Film Effie Briest gesehen. Ich glaube das Buch wird noch besser sein und ich gebe dir Recht: Es gibt Klassiker die man kennen sollte und dieser gehört dazu!
Außerdem ist das Cover wirklich schön!
Liebe Grüße
Kathi