Freitag, 4. Februar 2011

Eine kurze Geschichte des Buchdrucks: (1) Drucktechnik vor Gutenberg

Gestern, am 3. Februar vor genau 543 Jahren starb Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, der uns allen dem Namen nach bekannte Erfinder des Buchdrucks. Nicht von ungefähr wurde er aufgrund seiner epochalen und die Neuzeit einläutenden Erfindung 1999 zum "Mann des Jahrtausends" gekürt. Doch lag sein geniales Unternehmen vor allem in der Kombination bereits bekannter Techniken mit neuen Verfahrensweisen. Vor allem aber war es seine unternehmerische Großtat, die in der für die damalige Zeit wahnwitzigen Idee bestand, mehr als 100 Prachtbibeln zu produzieren, die es in ihrer Ausstattung mit den prächtigsten Handschriften aufnehmen konnten, die seinen Ruhm noch heute unter Beweis stellen.

Die Geschichte der Druckkunst lässt sich bis in das 9. Jahrhundert in China zurückverfolgen. Der älteste erhaltene Buchdruck stammt aus den buddhistischen Mönchshöhlen Dun-Huang im westchinesischen Turkestan. Es handelt sich um ein buddistisches Sutra mit Illustrationen, das im Jahre 868 hergestellt wurde, gut 100 Jahre nachdem man schon in Japan (heute allerdings verschollene) Bücher gedruckt hatte.Zudem sind bereits hölzerne Druckstöcke aus China bekannt, die bereits aus dem 6. Jahrhundert stammen. Sie wurden von buddistischen Priestern hergestellt, die religiöse Darstellungen in Holz schnitten, einfärbten und auf Seide oder Hadernpapier druckten. Als Stempel dienten dabei hölzerne Würfel und Täfelchen. Es ist überliefert, dass die Druckstöcke jeweils direkt und ohne Vorlage geschnitten wurden, so dass der Drucker erst am fertigen Ergebnis die Qualität seiner Arbeit begutachten konnte. Eine nachträgliche Korrektur des Druckstocks war nicht mehr möglich. Diese Technik des Holzschnitts gilt als das älteste grafische Druckverfahren.

In der chinesischen T'ang-Zeit (615--906 n. Chr.) kam man im 9. Jahrhundert erstmals die Idee auf, ganze Bücher zu drucken. Da man an der Authentizität alter überlieferten Texte zu zweifeln begann, beschloss man, die als zweifelsfrei echt anerkannten Fassungen dauerhaft in Stein zu gravieren. Dem bereits bekannten Holzdruck folgend wurden anschließend auch Druckplatten in Spiegelschrift gefertigt, um die kulturell bedeutsamen Schriften entsprechend vervielfältigen zu können. Zu einer ersten regelrechten Blüte des Buchdrucks kam es in China dann ab dem 10. Jahrhundert.

Der Druck mit beweglichen, aus Ton geformten Lettern geht auf den chinesischen Alchimisten und Drucker Pi Sheng zurück, der in den Jahren 1041--1049 seine Kunst ausübte. Die fehlerlose Übertragung der Texte auf den Druckstock war dabei von erheblicher Bedeutung. Ein einzelner Schnitzfehler machte einen der traditionellen aus einem Holz- oder Steinblock gefertigten Druckstock unbrauchbar. Pi Sheng kam daher auf die Idee, einen Schriftsatz aus Standardtypen zu entwickeln, die in Serienfertigung herstellen ließen. Dabei wurden jeweils einzelne Ideogramme der chinesischen Schrift aus Lehm in negative Formen gepresst und anschließend gebrannt. Die fertigen Typen wurden in einem Eisenrahmen zu ganzen Sätzen zusammengefasst, die mit einer klebrigen Masse zu einer vollständigen Seite fixiert wurden.

Beim bereits zu dieser Zeit auch in Europa bekannten Holzschnitt handelt es sich dagegen um eine sogenannte Hochdrucktechnik, d.h. die erhabenen Teile des Druckstocks werden eingefärbt und auf den zu bedruckenden Stoff abgerieben. Zur Herstllung des dazu benötigten Druckstocks wurde ein Holzblock in eine 2--4 Zentimeter starke Platte geschnitten, deren Faser in Richtung der Bildfläche verlaufen musste (Langschnitt), die anschließend sorgfältig gehobelt, geschliffen und geglättet wurde. Nachdem zuerst seitenverkehrt eine Vorzeichnung auf den hölzernen Druckstock aufgebracht wurde, erfolgte die Eintiefung der nichtdruckenden Teile des Bildes. Dabei wurden die vorgezeichneten Linien mit verschiedenen Messern möglichst exakt umschnitten. Die übrig gebliebenen Holzstege des Bildes wurden mit Hilfe eines mit Farbe getränkten Ballens oder durch Überrollen mit einer Walze eingefärbt und auf einen ungeleimten, leicht befeuchteten Papierbogen gedruckt, der über den Druckstock gelegt und mit einem Stoffballen abgerieben wurde.

Meist wurden die Holzschnitte nur einseitig bedruckt, da die Farbe durch das zum Drucken befeuchtete Papier durchschlug. Ein einmal geschnittener Holzstock konnte so bis zu mehrere hundert Male zum Drucken verwendet werden. Wurden mehrere Einzelblattdrucke zu einem kleinen Buch zusammengefügt, so entstand ein so genanntes Blockbuch.

Als im 14. Jahrhundert in Europa das Papier als kostengünstiger und massenhaft produzierbarer Beschreibstoff aufkam (siehe Biblionomicon 'Eine kurze Geschichte des Papiers') wurde mit diesem auch die Technik des Holzschnitts importiert. Dargestellt wurden darin häufig biblische oder theologische Themen, allerdings meist in bildhafter Form, da der Großteil der damaligen Bevölkerung des Lesens und Schreibens nicht mächtig war (siehe Biblionomicon 'Kurze Kulturgeschichte des Lesens'). So wurden in Zeiten der Pest sogenannte "Pestblätter"gedruckt, auf denen die als Pesthelfer verehrten Heiligen zusammen mit Gebetstexten und medizinischen Ratschlägen abgebildet waren. Daneben spielten als Holzdruck produzierte Flugblätter in der Zeit vor Gutenbergs Erfindung eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Nachrichten. Aber auch nach der durch Gutenberg ausgelösten Druckrevolution verlor der Holzschnitt zunächst nichts von seiner Bedeutung, da er immer häufiger zur Buchillustration eingesetzt wurde. So beinhaltet die 1493 erschienene "Schedelsche Weltchronik" des Nürnberger Druckers Anton Koberger knapp 2.000 Holzschnittillustrationen.

Seinen ersten künstlerischen Höhepunkt in Europa erreichte der Holzschnitt mit den Werken Albrecht Dürers (1471--1528), der den Holzschnitt von der reinen Buchillustration befreite und mit bis dato nicht gekannter technischer Reife als eigenständiges Kunstmedium etablierte.
Die im 15. Jahrhundert aufkommende Tiefdrucktechnik des Kupferstichs erlaubte dann auch eine stärkere Differenzierung der Tonwertstufen des dargestellten Bildes und damit eine nuanciertere künstlerische Darstellung.

[Weiter geht es hier mit Teil 2: Die Gutenberg'sche Druckrevolution]


Weitere Beiträge zur Mediengeschichte im Biblionomicon:

Bibliografische Links:

1 Kommentar:

Leselöwin hat gesagt…

Da hast du dir aber sehr viel Mühe gegeben, leider bleibt mir selbst zum Bloggen wenig Zeit, umso mehr schätze ich deinen Blog und deshalb dies hier:
http://leseloewin.blogspot.com/2011/02/mein-erster-blogaward.html